Energiepolitik

Nachschlag für die Wende

Studie: Allein die EEG-Umlage wird auch künftig deutlich steigen – und Energie damit teurer

– Die um Sondereffekte bereinigte EEG-Umlage zur Förderung neuer Energien wird bis 2018 weiter ansteigen. Die vom Verbraucher zu tragenden Zusatzkosten des Ökostroms würden in diesem Jahr dann voraussichtlich 20,9 Milliarden Euro betragen, ein Anstieg von 60 Prozent gegenüber 2011. Das geht aus einer Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität Köln (EWI) hervor, die der Morgenpost exklusiv vorliegt.

Die 20-seitige Studie untersucht die mögliche Entwicklung von Primärenergie- und Börsenstrompreisen ebenso wie mehrere Ausbaupfade für erneuerbare Energien anhand von drei Szenarien. Im „Referenzszenario“ werden aktuelle Trends sowie die bestehende Gesetzeslage bis 2018 fortgeschrieben. Flankiert wird dies durch zwei Berechnungen von Szenarien, die zu einer sinkenden und einer steigenden Umlage nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) führen. Die Wissenschaftler schließen aus den Ergebnissen, dass eine Diskussion über eine „sinnvolle Weiterentwicklung des EEG dringend notwendig ist, da die EEG-Kosten bis 2018 auch im Szenario ,niedrig’ nur geringfügig sinken.“

Sprunghafter Anstieg

Die Netzbetreiber hatten im Oktober angekündigt, dass die Ökostrom-Subventionen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz im kommenden Jahr um rund 50 Prozent auf rund 5,3 Cent pro Kilowattstunde ansteigen. Dieser außergewöhnlich starke Kostensprung erhöht die Stromrechnung der Verbraucher um rund 75 Euro im Jahr. Er war allerdings auch auf „Nachholeffekte“ aus dem Vorjahr zurückzuführen, als noch nicht alle EEG-Kosten auf Verbraucherpreise umgelegt waren.

Bereinigt um diese Nachzahlung sowie den Posten einer neu eingeführten „Liquiditätsreserve“ dürfte die EEG-Umlage 2014 wieder etwas geringer ausfallen, sagen die Kölner Forscher nun voraus. Nach ihrem Referenzszenario dürfte die Umlage dann auf 4,66 Cent pro Kilowattstunde fallen. Im Falle etwa besonders stark steigender oder fallender Großhandelspreisen beim Ökostrom könnte die Umlage aber auch bei 3,9 Cent (Szenario „niedrig“) und 5,71 Cent (Szenario „hoch“) liegen.

Diese zwischenzeitliche, relative Entlastung der Verbraucher ist allerdings kein Grund für generelle Entwarnung an der Kostenfront. Denn die bereinigte EEG-Umlage steigt im Referenzszenario dann bis zum Jahr 2018 von 4,66 wieder auf 5,17 Cent an. Die Bandbreite der anderen Szenarien liegt zwischen 4,19 Cent und 7,08 Cent pro Kilowattstunde. „Wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist weiterhin der Ausbau von Solaranlagen trotz der reduzierten Vergütungssätze“, schreiben die Studien-Autoren.

Die gesamten Zusatzkosten von Ökostrom steigen insgesamt in allen Szenarien gegenüber 2011 an – wenn auch unterschiedlich stark. Während im Referenzszenario ein Kostenplus von 60 Prozent auf 20,9 Milliarden Euro steht, könnte es bei leicht abgebremstem Ökostrom-Zuwachs bis 2018 auch nur ein Plus von 31 Prozent werden (Szenario „niedrig“). Grund dafür sind die Nachwirkungen der Bestandsanlagen, die über die gesetzlich garantierten 20 Jahre mit den hohen Vergütungssätzen der Vergangenheit weiter stark zu Buche schlagen. Im Szenario „hoch“ verdoppeln sich die Zusatzkosten sogar auf 28 Milliarden Euro im Jahr 2018.

Die bislang unveröffentlichte EWI-Studie wurde von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in Auftrag gegeben, die sich für eine marktwirtschaftliche Reform der Ökostrom-Förderung stark macht. „Das EEG ist außer Kontrolle“, kommentierte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr auf Nachfrage das Ergebnis. Der zwischenzeitliche Rückgang der EEG-Umlage Ende 2013 sei „keine Trendwende“, sagte Pellengahr: „Niemand soll sich täuschen lassen: langfristig steigen die Kosten wieder an.“ Das Erneuerbare-Energien-Gesetz habe „ausgedient und sollte durch ein europaweites marktbasiertes Quotensystem ersetzt werden.“