IT-Branche

Bitkom warnt vor nachlassender Gründer-Dynamik

Der Hightech-Verband Bitkom befürchtet einen Rückgang der Startup-Gründungen in Deutschland.

– „Allein die demographische Entwicklung wird dazu führen, dass gut ausgebildete Experten im Arbeitsmarkt noch begehrter werden als heute schon“, sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf im Gespräch der Morgenpost. „Das wiederum führt dazu, dass immer weniger Menschen den Sprung in die Selbstständigkeit wagen.“ Eine Untersuchung des Zentrums Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag des Bitkom hatte ergeben, dass seit 1995 fast 143.000 IT- und Internet-Unternehmen in Deutschland gegründet wurden. 2011 waren es der Studie zufolge 8000 Startups.

Der Rückgang der Gründungsaktivität hätte große Folgen für die deutsche Wirtschaft. „Die Innovation der kleinen Unternehmen ist nicht ersetzbar durch die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der großen Konzerne“, sagte Kempf. Die waghalsige und vielleicht auch verrückte Idee werde sich in einem großen Unternehmen immer schwer tun. „Genau diese Ideen werden uns in Zukunft fehlen“, so der Bitkom-Präsident. Forschung lasse sich nun einmal nicht völlig institutionalisieren. Sie sei oft das Ergebnis eines ungesteuerten chaotischen Prozesses.

Die ideale deutsche Stadt, um ein Start-up zu gründen, ist nach Ansicht von Kempf Berlin. Eine Gründerszene bedürfe einer bestimmten Umgebung, in der „Lokale und Clubs vielleicht nicht um Mitternacht schließen“. Gleichzeitig spricht sich Kempf gegen große staatliche Unterstützung für Gründer aus. „Wir dürfen Investitionen privater Geldgeber nicht unnötig steuerlich belasten“, sagte der Bitkom-Präsident. Zudem sollte man den Aufmerksamkeitswert erhöhen, den man für die Gründerszene aufbringen. „Am Ende könnte sich ein positiveres Gründer- und Unternehmerklima ergeben und damit auch Geldgeber anziehen. Wenn wir die Sichtbarkeit erhöhen, wäre vielen schon geholfen.“