Leserfrage

Wegen Steuern ins Gefängnis?

Ich bin angestellter Sachbearbeiter und verdiene mir gelegentlich etwas nebenbei. Die zusätzlichen Einnahmen gebe ich stets in der Steuererklärung an. Jetzt ist mir aufgefallen, dass ich einen Eingang von 2011 vergessen habe. Was soll ich tun? Kann ich das nachreichen? Muss ich mit einer Strafe rechnen, komme ich gar ins Gefängnis?

Davon ausgehend, dass Sie grundsätzlich Ihre steuerlichen Obliegenheiten ordentlich erfüllen, müssen Sie nicht mit einem Gefängnisaufenthalt rechnen. Ihren Fall regelt Paragraf 153 der Abgabenordnung. Wenn Sie innerhalb der Festsetzungsverjährung (in der Regel vier Jahre) bemerken, dass Ihre Steuererklärung unrichtig oder auch unvollständig ist, müssen Sie handeln: Sie sind verpflichtet, dies dem Finanzamt unverzüglich mitzuteilen und die erforderliche Richtigstellung gegenüber den Finanzbeamten vorzunehmen. Das gilt übrigens nicht nur für den Steuerpflichtigen selbst, sondern auch für die Gesamtrechtsnachfolger eines Steuerpflichtigen, also etwa Erben. Erst wenn die unverzügliche Korrektur nicht veranlasst wird, ist man in einem strafrechtlich relevanten Bereich. Sie haben daher jetzt eine Pflicht zur Berichtigung und müssen ihr unverzüglich nachkommen. Sie werden in der Folge einen berichtigten Steuerbescheid mit einer Nachzahlungsaufforderung erhalten. Womöglich sind auch Zinsen fällig, wenn seit Ablauf des Steuerjahres mehr als 15 Monate vergangen sind.

Wolfgang Wawro, Steuerberater