Fluggesellschaften

Iberia streicht Direktflüge nach Berlin

Spanische Airline kämpft ums Überleben. Flotte und Flugangebot sollen verkleinert werden

Viel dramatischer kann man die Situation bei Iberia nicht beschreiben. „Wir kämpfen ums Überleben, unsere Fluglinie verliert Geld auf allen Märkten, wir müssen jetzt harte Entscheidungen treffen“, sagte Vorstandschef Rafael Sánchez-Lozano bei der Präsentation der Quartalszahlen. In den ersten neun Monaten hat die spanische Airline tagtäglich einen Verlust von 1,7 Millionen Euro eingeflogen, der Fehlbetrag beläuft sich in den ersten neun Monaten auf 262 Millionen Euro. Das ist fast so viel, wie der Partner British Airways (BA) im gleichen Zeitraum an Gewinn erzielt hat, nämlich 286 Millionen Euro. Die Briten, die seit dem vergangenen Jahr mit Iberia zusammen unter der Holding IAG (International Airlines Group) mit Sitz in London firmieren, haben dem Juniorpartner jetzt einen radikalen Sparkurs verordnet. Fast schon drohend klangen die Worte von IAG-Chef Willie Walsh: „Zu lange haben die Interessen einiger weniger der Zukunft vieler geschadet. Wir werden nicht zögern, die notwendigen Maßnahmen zum Schutz unserer Aktionäre, Kunden und Angestellten zu ergreifen.“

Dem will der Spanier Sánchez-Lozano lieber zuvorkommen, die entsprechenden Rezepte hat der gelernte Banker bereits parat. Jeder vierte Iberia-Mitarbeiter soll entlassen werden, das entspricht 4500 der 20.000 Stellen beim einstigen Staatskonzern. Die Löhne der verbleibenden Angestellten sollen um 25 bis 35 Prozent gekürzt werden. Alle Routen kommen auf den Prüfstand, nicht rentable Strecken werden eingestellt. Sogar beim Direktflug Madrid–Berlin wird gespart: Ab Januar wird Iberia die deutsche Hauptstadt nicht mehr direkt anfliegen. „Die Flugzeuge waren zwar voll, aber an der Touristenklasse allein verdienten wir einfach viel zu wenig“, heißt es bei Iberia.

Doch damit nicht genug. 25 Flugzeuge, darunter auch fünf Jumbos, werden stillgelegt, das entspricht einem Viertel der Flotte. Insgesamt will Sánchez-Lozano das Betriebsergebnis in den kommenden drei Jahren durch Einsparungen und Zusatzeinnahmen aus Serviceleistungen um 600 Millionen Euro erhöhen und so in die Gewinnzone zurückfliegen. „Dies ist die letzte Gelegenheit, Iberia wieder auf die Beine zu bringen“, sagte er. „Wir brauchen eine kleine, aber effizientere Fluglinie.“

Die Fluglinie leidet nicht nur unter der schweren Rezession auf dem Heimatmarkt und den hohen Treibstoffkosten, sondern auch unter vielen hausgemachten Problemen. So kommen die für das Ergebnis so wichtigen Langstreckenflüge aus Lateinamerika viel zu spät auf dem Madrider Flughafen Barajas an, sodass es an Anschlussflügen zu anderen europäischen Zielen fehlt. Der Flugverbund Air France-KLM hat sich flexibler gezeigt und den Iberern inzwischen die Marktführerschaft bei Flügen nach Lateinamerika abgejagt.

Gleichzeitig hat das Iberia-Management es verpasst, die Kunden mit neueren Flugzeugen und vernünftigem Service bei der Stange zu halten. Auf der Internetseite Airline-Bewertungen kommt Iberia von allen großen Airlines in Europa am schlechtesten weg. Unfreundliches Personal, wenig Sitzkomfort und nicht einmal ein Gratisgetränk auf Europaflügen verärgern die Kunden. Zudem hatten die Piloten vor einem Jahr mit einer beispiellosen Streikwelle den Flugbetrieb in Madrid weitgehend lahmgelegt.

Die Unzufriedenheit spiegelt sich auch in den Passagierzahlen wider. War Iberia vor der Fusion mit BA im Jahr 2010 mit fast 29 Millionen Gästen noch Marktführer in Spanien, wurden die Iberer inzwischen längst von den Billigfliegern überholt. 2011 beförderte Iberia nur noch 24Millionen Passagiere, der Erzfeind Ryanair brachte 34 Millionen nach Spanien. In den ersten neun Monaten dieses Jahres hat sich der Abstand weiter vergrößert.