Kommentar

Es steht ernst um Siemens

Jens Hartmann über das Sparprogramm von Konzernchef Löscher

Aber so unspektakulär der Name ist, so ambitioniert sind die Ziele. Binnen zwei Jahren sollen sechs Milliarden Euro hereingeholt werden. Das beweist, dass es ernst steht um Siemens – auch wenn der Gewinn des abgelaufenen Geschäftsjahrs anderes vermuten lässt. Es sind andere Signale, die Löscher zum Handeln zwingen: Der Auftragseingang verringerte sich um ein Zehntel. Und die Margen bei Siemens sind in vielen Geschäftsfeldern schlechter als die von Konkurrenten wie GE oder ABB.

Siemens fühlte sich nach Rekordergebnissen in Serie zu sicher. Man investierte in den Abschwung hinein und saß dem Irrglauben auf, dass man mit grünen Technologien, auf die das Unternehmen heute ausgerichtet ist, automatisch auch schnell Geld verdient. Löscher zog nun die Notbremse. Worauf Siemens nun setzt, macht der Zukauf des Softwareunternehmens LMS deutlich. Das Signal lautet: Etwas mehr in die „alte Siemens“ investieren. Dass die Konjunktur Siemens schon in Bälde hilft, glaubt auch Löscher nicht. 2013 wird eine Durststrecke sein, was sich auch in seinen doch recht bescheidenen Gewinn- und Umsatzerwartungen widerspiegelt.

Für die weltweit 370.000 Mitarbeiter bedeutet das Sparprogramm vor allem eines: Unsicherheit, wie es um die Arbeitsplätze bestellt ist. Denn ohne Jobabbau in einzelnen Geschäftsbereichen wird Löscher nicht auskommen. Und auch Kurzarbeit dürfte für die deutschen Mitarbeiter ein Thema werden.