Sanierung

Kahlschlag vor Weihnachten

Beim Netzausrüster Nokia Siemens in Berlin müssen 160 von 1000 Mitarbeitern gehen

Das deutsch-finnische Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) braucht derzeit Erfolgsmeldungen eigener Art. Diese lesen sich dann beispielsweise so: „Es werden im Rahmen der bundesweiten Restrukturierung in Berlin rund 160 von ca. 1000 Arbeitsplätzen entfallen.“ Der Netzwerkausrüster, der unter anderem Schaltstationen für Mobilfunknetze herstellt, versucht gerade Investoren davon zu überzeugen, ein Unternehmen mit Zukunft zu sein – und ein Konzern, der harte Sanierungsschritte nicht scheut.

Das spürt nun zum Jahresende auch die Belegschaft in Berlin. Zunächst wird den Mitarbeitern der Übergang in eine sogenannte Transfergesellschaft angeboten. Dort werden sie bei der Suche nach neuen Tätigkeiten unterstützt, gegebenenfalls qualifiziert, um fit für eine neue Tätigkeit zu sein. 100 Mitarbeiter sollen zum 1.Dezember 2012, 60 weitere zum 1.Februar 2013 ausscheiden. Man gehe davon aus, dass genügend Mitarbeiter das Angebot annehmen werden. „Ansonsten müssten betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden, was wir gerne vermeiden möchten“, sagte Olaf Horsthemke, Arbeitsdirektor von Nokia Siemens Networks Deutschland, laut einer Mitteilung.

Dass es nun auch Berlin trifft, kommt einigermaßen überraschend. Zwar hat NSN schon im vergangenen Jahr einen umfangreichen Stellenabbau angekündigt. Demnach sollten weltweit 17.000 von mehr als 70.000 Stellen wegfallen, darunter fast 3000 in Deutschland. Standorte in Ostdeutschland wurden bereits geschlossen. Doch Berlin war stets ausgenommen; der Standort in Siemensstadt galt ursprünglich als sicher.

„Erst in diesem Sommer ließ das Unternehmen verlauten, dass die Restrukturierung noch umfangreicher ausfallen wird und auch Berlin betrifft“, sagte Klaus Abel aus der Geschäftsführung der Berliner IG Metall. Man habe mit dem Unternehmen verhandelt und es davon abgebracht, die Mitarbeiter gleich mit betriebsbedingten Kündigungen nach Hause zu schicken. Abel fürchtet nun eine negative Dynamik bei NSN. „Wenn solche Unruhe im Unternehmen herrscht, gehen doch die besten Leute zuerst“, sagt er. Was wiederum den Standort weiter schwäche.

„Jeder Abbau von Arbeitsplätzen ist bedauerlich“, sagte Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU). Sie wisse aber auch, dass das Unternehmen sich die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Yzer glaubt, dass sich für die Mitarbeiter „kurzfristig neue Chancen“ auf dem regionalen Arbeitsmarkt ergeben.

Allerdings könnten in den nächsten Wochen weitere schlechte Nachrichten folgen. Am 9.November will sich die Siemens-Spitze über den Umfang des geplanten Sparprogramms äußern. Gerüchteweise geht es um bis zu 10.000 Stellen, die im Konzern wegfallen könnten. IG-Metall-Mann Abel hofft, dass es Berlin nicht so hart treffen wird. Mit knapp 12.000 Mitarbeitern ist die Hauptstadt der größte Produktionsstandort im Siemens-Reich.

Betriebsbedingte Kündigungen sind bei den mehr als 100.000 deutschen Siemens-Mitarbeitern per Vereinbarung ausgeschlossen. Sprich: Stellenabbau würde mithilfe von Instrumenten wie Fluktuation, Nichtbesetzung freier Stellen oder Abfindungsangeboten erfolgen. Erste Anzeichen der Flaute gibt es bereits. Es kommen weniger Aufträge rein. Betriebe beginnen damit, Stundenguthaben auf Arbeitszeitkonten abzubauen. „Kurzarbeit oder gar Kündigungen sind zum Glück noch kein Thema bei den Unternehmen“, sagt Abel.

Im Gasturbinenwerk von Siemens wurde während der Herbstferien für eine Woche die Arbeit eingestellt. Auch über Weihnachten erwägen eine Reihe von Unternehmen verlängerte Betriebsferien – in der Hoffnung, dass es sich nur um eine zwischenzeitliche Flaute handelt.