Arbeitslosenquote

Leichte Eintrübung auf dem Berliner Arbeitsmarkt

Zahl der Erwerbslosen geht im Oktober leicht zurück. Trotz robuster Lage gibt es leise Warnsignale vor einem Abschwung

– Es gibt da eine kleine Zahlenreihe im großen monatlichen Statistikwerk der Regionaldirektion, die als Warnung dienen kann. Es ist die Zahl jener Arbeitslosen, die Arbeitslosengeld beziehen. Also Leute, die erst relativ kurz ohne Job sind. Ihre Zahl ist im Oktober in Berlin nach länger Zeit wieder im Jahresvergleich gestiegen: 38.377 Menschen waren es im Oktober 2011, derzeit sind es 40.887. An der Anzahl der Menschen, die Anspruch auf Arbeitslosengeld haben, lassen sich Trends ablesen. Auch wenn in Berlin insgesamt die Arbeitslosigkeit im Oktober zurückgegangen ist.

Von einer echten Trendwende will Dieter Wagon, Chef der örtlichen Bundesagentur für Arbeit, deshalb auch nicht sprechen. „Der Arbeitsmarkt in der Region ist nach wie vor in robuster Verfassung“, sagte er bei der Präsentation des aktuellen Monatsberichts. Die wirtschaftliche Situation der Stadt sei nach wie vor gut. Auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mag nicht an eine Trendwende denken, gebrauchen kann er sie politisch schon gar nicht. Er sieht in der positiven Entwicklung des Berliner Arbeitsmarktes einen Erfolg der Wirtschaftspolitik seines Senats.

Hauptstadt bleibt Schlusslicht

Der Erfolg ist das Stellenwachstum in der Hauptstadt. Dennoch ist Berlin immer noch das Schlusslicht, wenn man die Arbeitslosenquoten der Bundesländer vergleicht. 11,7 Prozent der erwerbsfähigen Hauptstädter suchen eine Beschäftigung. Im September waren es 11,8. Deutschlandweit stagnierte die Quote bei 6,5 Prozent. Die zahl der Arbeitslosen sank leicht im Vergleich zum September, lag aber über dem Wert vom Oktober 2011. Insgesamt gibt es in der Hauptstadt 205.527 Menschen ohne Job. Die meisten von ihnen, mehr als 160.000, beziehen Hartz IV. Sie sind also schon länger ohne Beschäftigung und bilden den harten Kern.

Ihnen gilt das Hauptaugenmerk von Wagon und seiner Behörde. Die Marschroute dabei lautet: Alle Maßnahmen – von der Qualifizierung bis zu Zuschüssen für Firmen – sollen dazu dienen, Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. „Derzeit warten wir auf Zahlen vom Senat, wie viele Erzieher und Altenpfleger in Berlin benötigt werden“, sagte Wagon. Liegen die vor, soll geprüft werden, in welchem Umfang Arbeitslose für diese Tätigkeiten qualifiziert werden können.

Es ist aber nur ein Beispiel für die veränderten Schwerpunkte der Arbeitsmarktpolitik in der Hauptstadt. Lange Jahre wurden diverse Programme und Maßnahmen vor allem dafür genutzt, Arbeitslose dort zu parken. Genug Stellen in den Firmen der Hauptstadt gab es nicht; Arbeitsmarktpolitik war ein Instrument der sozialen Befriedung. Zugleich machte es die düsteren Arbeitslosenzahlen in der Hauptstadt etwas erträglicher. Wer in einer „Maßnahme steckt“, wird nicht als Arbeitsloser gezählt. Jetzt sollen Arbeitslose vor allem nach Bedarf der Unternehmen qualifiziert werden.

Für Berliner Unternehmen existiert nunmehr ein Anreiz, Langzeitarbeitslose einzustellen. Dabei zahlen die Jobcenter bis zu 75 Prozent der Arbeitgeberkosten, wenn diese eine Stelle mit jemanden besetzen, der lange Zeit ohne Arbeit war. Für bis zu zwei Jahren kann diese Unterstützung gewährt werden. Die Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg begrüßte den entsprechenden Senatsbeschluss.