Handel

Mobilfunker O2 startet an der Börse mit Kursgewinnen

O2 hat es geschafft: Deutschlands kleinster Mobilfunk-Netzbetreiber ist seit Dienstag an der Börse notiert.

Kurz nach neun Uhr läutete die Glocke das Marktdebüt in Frankfurt/Main ein. Die Papiere der Telefónica Deutschland Holding, wie das Unternehmen offiziell heißt, waren für 5,60 Euro ausgegeben worden und legten zu.

Mit einem Volumen von 1,45 Milliarden Euro ist der Börsengang von O2 der größte in Deutschland seit dem des Motorenherstellers Tognum im Juli 2007 – und der größte in Europa seit fast eineinhalb Jahren. Die Konzernmutter Telefónica hält nach der Erstnotiz noch 77 Prozent an der deutschen Tochter, lediglich 23 Prozent hatte sie an Investoren verkauft. Der spanische Telefonriese will mit dem Erlös seine Schulden von mehr als 57 Milliarden Euro verringern. Der Erlös fließt deshalb komplett nach Spanien, O2 muss seine geplante Aufrüstung auf den neuen, sehr schnellen Mobilfunkstandard LTE aus eigener Kraft finanzieren. Telefónica-Chef César Alierta, der extra für die Börsenpremiere aus Madrid angereist kam, stellte sich hinter die Tochter. „Wir sind vollkommen vom deutschen Markt überzeugt.“

Gelockt wurden die Aktionäre vor allem mit einer hohen Dividende von 500 Millionen Euro, die 2013 gezahlt werden soll. In den Folgejahren soll die Ausschüttung noch steigen. Den Löwenanteil davon kassiert allerdings die spanische Muttergesellschaft, die ihren Anteilseignern wiederum die Dividende für das laufende Jahr gestrichen hat. Die Deutschland-Tochter profitiert noch auf Jahre hinaus von Verlustvorträgen von elf Milliarden Euro, weswegen sie hierzulande kaum Steuern zahlen muss.

Deutsche Investoren hatten sich Bankern zufolge nicht im großen Stil mit O2-Papieren eingedeckt. Die Nachfrage stammte vor allem aus dem Ausland. Dort kam gut an, dass O2 nur in Deutschland vertreten ist – die Bundesrepublik gilt in der Euro-Schuldenkrise als relativ sicher für Anlagen.