Gratifikationen

Arbeitgeber zahlen mehr Weihnachtsgeld

Die Sonderzahlung steigt dank höherer Tariflöhne. Mancher wird zusätzlich noch am Gewinn beteiligt

Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer bekommt auch in diesem Jahr Weihnachtsgeld – und für viele fällt es so üppig aus wie lange nicht. Rund 14 Millionen Beschäftigte erhalten die Zahlung mit dem Novembergehalt, wie Experten schätzen. Jeder zweite dieser Arbeitnehmer könne sich sogar über eine größere Überweisung freuen als 2011, sagte Reinhard Bispinck, Leiter des WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Denn die höheren Tarifabschlüsse in vielen Branchen steigern auch das Weihnachtsgeld, das meist an das Monatseinkommen gekoppelt ist.

Das Weihnachtsgeld hat in Deutschland eine jahrzehntelange Tradition. Bereits in den 50er- und 60er-Jahren sei die Zahlung für einzelne Branchen vereinbart worden, sagte Bispinck. In der Breite sei diese in den 70ern eingeführt worden. In der Metallindustrie gibt es das Weihnachtsgeld seinen Angaben zufolge seit 1972, damals betrug es bis zu 30 Prozent eines Monatseinkommens. Mitte der 90er stieg es auf bis zu 60 Prozent, in diesem Jahr sind es bis zu 55 Prozent.

Die Höhe des Weihnachtsgeldes ist dabei sehr unterschiedlich. In den tarifgebundenen Unternehmen des Bankgewerbes und der Süßwarenindustrie gibt es eine Zahlung in Höhe eines vollen Monatseinkommens. Kein Weihnachtsgeld wird im Bauhauptgewerbe Ost und im Gebäudereinigerhandwerk gezahlt.

In anderen Branchen fällt die Zahlung dagegen sogar höher aus als in den Vorjahren. Über ein besonders dickes Plus von 4,5 Prozent können sich die Beschäftigten der chemischen Industrie in Westdeutschland freuen. In den tarifgebundenen Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie gibt es 4,3 Prozent mehr.

Große Unterschiede haben die Experten zwischen Ost und West ausgemacht: In Westdeutschland profitieren dem WSI zufolge 59 Prozent der Arbeitnehmer von der zusätzlichen Zahlung, im Osten sind es nur 39 Prozent. Dabei gibt es auch innerhalb der Branchen Unterschiede. Weniger als ihre Kollegen im Westen bekommen Arbeitnehmer in Ostdeutschland zum Beispiel in der Chemieindustrie und im öffentlichen Dienst der Gemeinden.

Das Weihnachtsgeld ist nicht die einzige zusätzliche Zahlung. Rund 17 Prozent der Arbeitnehmer erhalten eine Gewinnbeteiligung, 21 Prozent weitere Sonderzahlungen, ergab eine Umfrage der Internetseite www.lohnspiegel.de, die das WSI-Tarifarchiv betreut. 2011 fielen sie zum Beispiel in der Autoindustrie besonders üppig aus, weil es den Herstellern sehr gut ging. Gewinnbeteiligungen sind bei Unternehmen beliebt, weil sie anders als Weihnachtsgeld auch gekürzt werden können.