Solarenergie

Siemens räumt den Platz an der Sonne

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Mit Solarkraft-Anlagen hat der Technologiekonzern nur rote Zahlen geschrieben. Jetzt stellt er die Sparte zum Verkauf

Siemens-Chef Peter Löscher beendet seinen verlustreichen Ausflug in die Solarenergie-Technik. Im Zuge des anstehenden Sparprogramms solle das Geschäft verkauft werden. „Bei den erneuerbaren Energien will sich Siemens künftig auf die Wind- und Wasserkraft konzentrieren“, erklärt der Technologiekonzern. Der Umbau betrifft vor allem das Unternehmen Solel, einen israelischen Spezialisten für Solarthermie, den Siemens 2009 gekauft hatte.

Der Verkauf des Solargeschäfts ist eine Niederlage für Löscher. Unter seiner Führung hatte Siemens den Kauf von Solel für 284 Millionen Euro eingefädelt. Löscher pries den Deal als wichtigen Schritt auf dem Weg an, den Erfolg in der Windenergie nun auch in der Solarenergie fortzuschreiben. Doch Solel enttäuschte die Erwartungen bald. Die Verluste übertrafen sogar den Umsatz.

Bei dieser Technologie werden Sonnenstrahlen in Spiegeln eingefangen und gebündelt. Die Hitze treibt eine Dampfturbine an, die dann den Strom erzeugt. Solarthermie galt lange als Hoffnungstechnologie für das Wüstenstromprojekt Desertec. Das Milliardenprogramm sieht vor, in Nordafrika günstigen Solarstrom herzustellen, der dann nach Europa fließen soll. Allerdings kommt das Projekt kaum voran. Auch die Solarthermie setzt sich bislang nicht durch.

Das liegt vor allem daran, dass die Stromerzeugung mit Fotovoltaik immer günstiger geworden ist. Derzeit liefern sich zahlreiche Hersteller, unter anderem auch aus China, einen massiven Preiskampf. Damit verliert die Solarthermie ihren Wettbewerbsvorteil. „Der globale Markt für Solarthermie ist von vier Gigawatt auf zuletzt etwas über ein Gigawatt zurückgegangen“, sagte Michael Süß, Chef des Siemens-Sektors Energie. „Hier werden künftig Spezialanbieter ihre Stärken ausspielen können.“

Die Division Solar & Hydro, die erst im vergangenen Jahr gegründet worden war, wird Siemens nun auflösen. Die Einheiten für Solarthermie und Fotovoltaik werden bis zur Veräußerung als nicht fortgeführtes Geschäft bilanziert. Das sehr kleine Geschäft mit Wasserkraft und Lösungen für Energiespeicher will Siemens hingegen behalten. 120 Arbeitsplätze der Division sollen damit im Konzern verbleiben, der Großteil davon in Deutschland. Von den insgesamt 800 Mitarbeitern sind an den Standorten Erlangen, Nürnberg und München etwa 200 beschäftigt. 400 Stellen sind in Israel und 100 in Spanien angesiedelt. Weitere 100 Mitarbeiter in anderen Ländern arbeiten in erster Linie für den Vertrieb der Division.

Löscher hatte bis zuletzt versucht, das Solargeschäft mit neuem Personal und einer neuen Organisation zu drehen. Immerhin ist der Austritt aus einem Kernbereich der Energiewende für Siemens schmerzlich. Der Konzern bezeichnet sich selbst als „grünen Infrastrukturgiganten“. Auf Initiative Löschers beziffert Siemens zudem das Portfolio an umweltfreundlichen Technologien: Derzeit macht Siemens 30 Milliarden Euro Umsatz in diesem Bereich.

Am Geschäft mit den erneuerbaren Energien hält Siemens allerdings fest. Der Konzern sieht hier weiterhin großes Wachstumspotenzial. Siemens-Prognosen zufolge dürften erneuerbare Energien im Jahr 2030 bereits rund 28 Prozent des weltweiten Strommix ausmachen. Den „größten Beitrag“ würden dabei Wasserkraft und Windenergie leisten, heißt es. Auf diese Bereiche will sich das Unternehmen fortan konzentrieren. Das Siemens-Geschäft mit der Wasserkraft ist derzeit noch vergleichsweise klein. In der Windkraftdivision mit Sitz in Hamburg beschäftigt Siemens hingegen etwa 9000 Mitarbeiter. Sie hat einen Auftragsbestand von zehn Milliarden Euro und arbeitet profitabel.