E-Commerce

Panne kostet Google 20 Milliarden Dollar

Internetkonzern legt Geschäftszahlen zu früh vor. Marktwert bricht ein

Selbst ein Weltkonzern ist vor peinlichen Pannen nicht gefeit: Google hat seine Zahlen aus Versehen zu früh veröffentlicht, noch während des US-Börsenhandels. Die peinliche Panne war zugleich auch ein einzigartiges Experiment: Was passiert eigentlich, wenn man enttäuschende Quartalszahlen direkt auf eine Meute aufgeheizter Börsenhändler loslässt? Das Ergebnis zeigte eindrucksvoll, warum es besser ist, wenn man die Anleger lieber erst einmal über die Zahlen schlafen lässt.

Die Google-Aktie brach nach der Vorlage der Zahlen binnen weniger Minuten um zehn Prozent ein. Zeitweise wurde der Handel auf Wunsch von Google sogar gestoppt. Im Verlauf der Nacht verlor der Konzern 20 Milliarden Dollar Marktwert. Offensichtlich lag der Fehler beim Dienstleister R.R. Donnelley, der einen unfertigen Quartalsbericht veröffentlichte. Google-Chef Larry Page entschuldigte sich für die Panne: Er bedauere das Durcheinander. Es war sein zweiter Auftritt nach mehrmonatiger Abwesenheit, weil er seine Stimme verloren hatte.

Nach der Enttäuschung über die Zahlen senkte die Bank of America ihr Rating für die Aktie des Internetriesen erstmals seit sechs Jahren von „Kaufen“ auf „Halten“. Angesichts der Risiken für das Werbegeschäft von Google bei immer stärkerer Nutzung von Smartphones und Tablets sei Vorsicht geboten, argumentierten die Analysten.

Üblich ist, die Zwischenbilanz nach dem Ende des regulären Handels an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq vorzulegen, damit jeder Anleger die Zeit hat, sich in das umfangreiche Zahlenwerk zu vertiefen. Demnach stieg der Umsatz im dritten Quartal um 45 Prozent auf 14,1 Milliarden Dollar (10,8 Milliarden Euro). Rund 2,6 Milliarden Dollar kamen dabei alleine aus der Einbeziehung von Motorola. Google hatte den Handy-Hersteller für 12,5 Milliarden Dollar geschluckt, um seinen Vorstoß ins mobile Geschäft abzusichern. Der Konzerngewinn Googles sank dagegen um 20 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar. Auch hier wirkte sich Motorola aus, vor allem durch hohe Entwicklungskosten für neue internetfähige Handys, sogenannte Smartphones, auf denen das Google-Betriebssystem Android läuft.

Vor allem ein Wert verschreckte die Anleger: Google bekam im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 15 Prozent weniger Geld von seinen Werbekunden für jeden Klick, den ein Nutzer machte. Werbung ist die wichtigste Einnahmequelle von Google – allen voran die hervorgehobenen Links der Suchmaschine, aber immer mehr auch grafische Werbeanzeigen, die überall im Internet auftauchen. Der Rückgang dürfte eine Folge der verstärkten Nutzung von Smartphones und Tablets sein, auf denen die Tarife für Werbung niedriger sind. Insgesamt aber stieg die Zahl der Klicks auf Anzeigen, die Google Geld brachten, um ein Drittel.