EU

Lettland hat es ganz eilig mit dem Euro-Beitritt

2014 könnten die Balten der Währungsunion beitreten

Der Euro-Krise zum Trotz: Lettland will im Jahr 2014 der Währungsunion beitreten. Das baltische Land wäre damit der 18. von 27 EU-Mitgliedsstaaten, der das gemeinsame Geld annimmt. Die Regierung drängt deshalb auf strikte Kontrollen: „Wir heißen alle Schritte willkommen, die die Haushaltsdisziplin in der EU und Euro-Zone stärken“, sagte Premierminister Valdis Dombrovskis im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. „Nicht zuletzt weil wir weiterhin der Euro-Zone beitreten wollen, was nach jetziger Planung im Januar 2014 so weit sein soll. Und dann brauchen wir einen funktionierenden Wirtschaftsraum.“ Das Nachbarland Estland führte den Euro bereits 2011 ein.

Lettlands Sympathie für die Gemeinschaftswährung zeigt wieder wachsenden Optimismus – trotz Schuldenkrise. Zuvor hatten sich osteuropäische Länder in den vergangenen Monaten meist abwartend verhalten, wenn es um die Frage des Euro-Beitritts ging. Ungarns Premier Viktor Orbán äußerte sich unlängst während seines Berlinbesuchs so. Doch die Letten sehen dies ganz anders.

„Laut unserer Nationalbank erfüllen wir seit September die Maastricht-Kriterien“, sagte Dombrovskis. Er gab zu, dass sich die Begeisterung in seinem Land für den Beitritt jedoch in Grenzen hält. „Wir haben vor einigen Jahren unsere eigene Krise durchgemacht, zu der Zeit waren die Bürger natürlich sehr für einen Beitritt. Jetzt hören sie aber seit mehr als zwei Jahren nur noch von der Euro-Krise. Deshalb fragen sie, warum wir beitreten sollen. Das ist jetzt die Aufgabe meiner Regierung, die Gründe dafür zu erklären.“

Brüssel sieht keine Hindernisse

Aus Sicht von Brüssel steht einer Aufnahme von Lettland nichts im Weg. Der finnische EU-Währungskommissar Olli Rehn bestätigte, dass Riga für den Beitritt 2014 bereit sei. „Meine momentane Erwartung ist, dass es möglich, sogar ziemlich wahrscheinlich ist, dass Lettland die Konvergenzkriterien erfüllen wird.“ Im Frühjahr werde überprüft, ob das Land die Kriterien erfülle. „Lettland erholt sich von seiner sehr tiefen wirtschaftlichen Krise, im kommenden Jahr wird ein Wachstum von vier bis fünf Prozent erwartet“, sagte Rehn weiter.

Der konservative Regierungschef Dombrovskis verfolgt indessen aufmerksam die vielen Regeln, die sich die Euro-Zone derzeit im Kampf gegen die Krise gibt. Es herrsche natürlich eine gewisse Vorsicht bei „einem Land, das draußen ist, aber am nächsten drin“. So stießen einige Vorschläge zur geplanten Bankenunion in Riga auf Vorbehalte. „Es muss eine bessere Balance zwischen Verantwortlichkeit und Rechten geben für die Länder, die außerhalb der Euro-Zone sind“, forderte Dombrovskis. Die wachsende Spaltung in Europa zwischen Euro-Staaten und Staaten mit anderer Währung verfolgt der Balte mit Sorge. „Wir sehen natürlich diese Tendenz. Und wir wollen die Integrität der Union der 27 und des Binnenmarkts erhalten.“