Kinderarbeit

14-Jährige arbeiten für Apple-Zulieferer

Neuer Skandal um Foxconn: In chinesischen Fabriken standen Minderjährige am Band

Sie waren nicht älter als 14 Jahre, und ihr offizieller Status lautete Praktikant. In Wahrheit waren sie wohl nur billige Arbeitskräfte des weltgrößten Elektronikherstellers Foxconn. Der taiwanische Apple-Zulieferer kann nun einen weiteren Skandal seiner Chronik hinzufügen. Das Unternehmen, das auch für andere namhafte Technologiekonzerne Geräte produziert, hat eingeräumt, in einer Fabrik im Osten Chinas Minderjährige beschäftigt zu haben. Diese standen einem Sprecher zufolge im Rahmen eines Praktikumsprogramms mehrere Wochen lang an den Fließbändern des Werks.

Die Skandale um Foxconn werden auch zu einem immer größeren Problem von Weltkonzernen. Denn Foxconn produziert im Auftrag fast aller namhaften Markenhersteller. Bekannt wurde das Unternehmen als Produzent von iPad und iPhone für Apple. Es erledigt aber auch Aufträge für Samsung, Sony, Intel und Nokia. Der Konzern steht seit Jahren wegen seiner Arbeitsbedingungen in der Kritik. Im Jahr 2010 hatte es eine Reihe von Selbstmorden von Angestellten gegeben, die Aktivisten mit den Zuständen in den Fabriken in Verbindung brachten. Kürzlich geriet das Unternehmen durch zwei Streiks Tausender Arbeiter wieder in die Schlagzeilen. Unlängst machten Berichte über eine Massenschlägerei die Runde.

Druck durch Medien

Foxconn ist aber auch ein Beispiel dafür, dass in einer globalisierten Wirtschaftswelt schlechte Arbeitsbedingungen nicht verborgen bleiben. Der Konzern war gezwungen, schnell zu reagieren, nachdem die in den USA ansässige Nichtregierungsorganisation China Labor Watch von der Beschäftigung Minderjähriger berichtet hatte. Dies wiederum wurde von chinesischen Medien aufgegriffen – es baute sich jede Menge Druck auf.

Eine Untersuchung habe ergeben, dass in der Fabrik in der Provinz Shandong drei Wochen lang Praktikanten im Alter von 14 bis 16 Jahren tätig gewesen seien, ließ Foxconn offiziell mitteilen. Ein Unternehmenssprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Jugendlichen seien an den Fließbändern der Fabrik im Einsatz gewesen. In China liegt das Mindestalter für Beschäftigte bei 16 Jahren. Der Einsatz der Minderjährigen sei nicht nur ein Verstoß gegen chinesisches Arbeitsrecht, sondern auch gegen die Foxconn-Regeln, erklärte der Konzern. Es seien deshalb „umgehend“ Maßnahmen ergriffen worden, um „diese Praktikanten“ zurück in die Schule zu schicken. Es gebe aber keine Beweise dafür, dass es auch in anderen Foxconn-Fabriken in China Verstöße gegeben habe.

Foxconn beschäftigt in China nach eigenen Angaben rund 1,2 Millionen Menschen. Drei Prozent davon sollen Praktikanten sein. Das wären immerhin 36.000 Menschen, wenn man die offiziellen Konzernzahlen glauben will. Das tun viele aber nicht. Geoffrey Crothall, Sprecher der Organisation China Labour Bulletin, geht von einer viel höheren Zahl aus. Praktikanten seien eine „billige und willkommene Arbeitskraft“, sagte er.

Die chinesische Regierung untersagt es Berufsschulen zwar, Schülern in ihrem ersten Jahr – wenn die meisten Jugendlichen laut China Labour Bulletin 15 Jahre alt sind – einen Praktikumsplatz zu vermitteln. Diese Vorschrift werde aber häufig verletzt, heißt es in einem Bericht der Organisation, der vor wenigen Monaten veröffentlicht wurde. Im aktuellen Foxconn-Fall sollen die Praktikanten von Berufsschulen geschickt worden sein. Das Unternehmen habe es unterlassen, das Alter zu kontrollieren, hieß es.

Eine Erklärung für den Einsatz der Praktikanten: Chinas Unternehmen haben ein Problem, preiswerte Arbeitskräfte zu finden. Unter anderem durch Berichte über die Zustände in Foxconn-Fabriken hat es in den vergangenen Monaten teilweise kräftige Lohnerhöhungen gegeben. Das alles zwar von einem – aus deutscher Sicht – äußerst geringen Niveau. Bei Foxconn zum Beispiel legten die Löhne nach Berichten aus China von monatlich 900 Yuan (110 Euro) im Jahr 2010 auf mittlerweile 2350 Yuan zu. Mit Überstunden kann ein Arbeiter auf 4000 Yuan (500 Euro) kommen. Für chinesische Unternehmen und Lohnempfänger ist das aber ein beachtlicher Sprung innerhalb kürzester Zeit.

Bereits Anfang vergangenen Jahres verfügte die chinesische Regierung eine deutliche Anhebung der Mindestlöhne. Für den sozialen Frieden im Land ist das gut, für die Wirtschaft insgesamt eher schlecht. Denn bislang punktete China vor allem als billiger Produktionsort. Lohnsteigerungen und das Einfordern von Arbeitnehmerrechten machen die Herstellung von Waren in China teurer. Unternehmen tragen sich mit Abwanderungsgedanken. Zahlreiche Konzerne haben zudem begonnen, ihre Fertigung auf Robotertechnik umzustellen.

Die Wirtschaftsberatung Boston Consulting Group (BCG) sieht sogar ein chinesisches Dilemma. „End of Easy Growth“ (Ende des einfachen Wachstums) heißt eine Studie der Berater. Die Experten der BCG erwarten bis 2016 eine jährliche Steigerung der Arbeitskosten in China von mindestens zehn Prozent. Somit könnte China bald ein wesentlich teurerer Standort sein als andere Staaten Asiens.

Fabriken in Afrika

Der Gründer von Foxconn, der Taiwaner Terry Gou, hat diese Gefahr wohl längst erkannt. Fabriken seines Unternehmens gibt es längst außerhalb Chinas, beispielsweise in Lateinamerika. Zudem lässt er immer mehr Roboter in seinen Betrieben aufstellen. Angeblich überlegt er auch, Fabriken in Afrika hochzuziehen. Dort sind die Arbeitskräfte derzeit noch billig.