Zahlungsverhalten

Weniger Geld, mehr Plastik

Menschen setzen beim Bezahlen zunehmend Karten ein. In Berlin und Ostdeutschland liegen sie schon vor Bargeld

Die Portemonnaies der Deutschen werden immer dünner. Dies ergab eine Studie der Bundesbank zum Zahlungsverhalten der Deutschen. Denn demnach trugen die Bundesbürger im Durchschnitt zuletzt nur noch 103 Euro an Bargeld mit sich herum, 5,90 Euro davon in Münzen. Vor vier Jahren, als die letzte derartige Umfrage durchgeführt wurde, waren es noch 118 Euro, davon damals 6,70 Euro an Münzen. Fast ein Drittel der Befragten hat dabei heute einen Betrag zwischen 50 und 100 Euro bei sich, ein knappes Drittel weniger, etwas über ein Drittel mehr.

Allerdings füllen die Menschen den leeren Platz in den Brieftaschen auf – und zwar mit Kreditkarten. Deren Verbreitung hat sich deutlich erhöht. Und die Deutschen nutzen das Plastikgeld auch deutlich häufiger. „Der Trend einer langsamen, aber kontinuierlichen Ersetzung von Bargeld durch unbare Zahlungsinstrumente setzt sich fort“, sagte Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele bei der Vorstellung der Studie. Diese Entwicklung werde sich in den kommenden Jahren auch fortsetzen. Dennoch gelte weiterhin: „Bargeld ist immer noch das meistgenutzte Zahlungsmittel.“

Allerdings gilt das eben längst nicht mehr für alle Deutschen und auch nicht mehr für alle Bereiche des täglichen Lebens. Bestes Beispiel ist die Tankstelle: Dort zahlt inzwischen nur noch jeder Dritte bar. Mehr als die Hälfte der Autofahrer zückt dagegen die Girocard, jeder Zehnte nutzt die Kreditkarte. Auch bei größeren Anschaffungen ist Bargeld für die meisten nur zweite Wahl. Auf der anderen Seite gibt es nach wie vor Bereiche, wo die Plastikkarten kaum eine Rolle spielen. So regiert in Cafés, Kneipen oder Schnellrestaurants weiterhin unangefochten das Bargeld. Auch bei Freizeitaktivitäten oder bei den täglichen Einkäufen im Supermarkt bevorzugen immer noch mehr als zwei Drittel diese Zahlungsweise.

Für die Studie wurden vor rund einem Jahr 2195 Personen befragt. Sie mussten dabei eine Woche lang ein Haushaltstagebuch führen und genau notieren, was sie wo gekauft und wie sie es bezahlt haben. Ausgenommen davon waren lediglich Mieten oder andere regelmäßig wiederkehrende Zahlungen. In fast 20.000 Transaktionen gaben die Befragten dabei rund 600.000 Euro aus – die Ergebnisse können daher als repräsentativ gelten.

Ein Drittel hat Kreditkarten

Interessant sind dabei vor allem die unterschiedlichen Verhaltensweisen verschiedener Bevölkerungsgruppen. So zücken Menschen aus den neuen Bundesländern beispielsweise weitaus häufiger eine Plastikkarte. Während im Westen 55 Prozent der Ausgaben bar bezahlt werden, sind es im Osten nur 44,5 Prozent. Girocard und Kreditkarte zusammen überflügeln dort die Barzahlung bereits mit einem Anteil von zusammen 45,4 Prozent. Im Westen dagegen sieht das ganz anders aus. Dort kommen Kreditkarte und Girocard zusammen nur auf 33,7 Prozent und landen weit abgeschlagen hinter der Barzahlung.

Doch auch dort ist der Trend letztlich klar vorgezeichnet. Dies wird durch eine erstaunliche Entwicklung deutlich, die in den drei Jahren zwischen den beiden Umfragen stattfand. So hat sich die Zahl der Kreditkartenbesitzer insgesamt gegenüber 2008 zwar nur leicht erhöht, von 27 auf 33 Prozent der Bevölkerung über 18 Jahren. Allerdings fällt die Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen dabei völlig aus dem Rahmen. Denn hier hat sich der Anteil von 32 Prozent mehr als verdoppelt und liegt bei 67 Prozent. Unterdurchschnittlich ist der Anteil der Kreditkartenbesitzer erwartungsgemäß bei den Jüngeren, die natürlich meist noch nicht über das notwendige Einkommen verfügen, sowie bei den älteren Jahrgängen, bei denen es meist die Scheu vor Innovationen ist, die sie Karten meiden lässt. So wie die jetzigen mittleren Jahrgänge jedoch älter werden, dürfte sich die Kreditkartennutzung dann auch in den höheren Altersgruppen ausdehnen. Das bedeutet: Bargeld wird in den kommenden Jahren weiter deutlich an Bedeutung verlieren.

Keiner zahlt per Handy

Ob dazu allerdings neue Zahlungsformen beitragen, ist noch unklar. Bislang spielt beispielsweise das Bezahlen per Handy oder das kontaktlose Bezahlen mit einer Karte, die dabei lediglich vor ein Lesegerät gehalten wird, kaum eine Rolle. Von den 20.000 Transaktionen, die bei der Studie erfasst wurden, entfielen ganze sieben auf die kontaktlose Kartenzahlung, das Handy wurde überhaupt nicht eingesetzt. Andererseits sind solche modernen Zahlungsweisen dennoch schon recht bekannt, rund die Hälfte der Befragten kann damit etwas anfangen.

Trotz des allgemeinen Trends weg vom Bargeld sind sich die Deutschen in einer Hinsicht einig: Die kleinen Münzen von einem oder zwei Cent wollen sie trotz allem nicht missen. Mehr als zwei Drittel wenden sich klar gegen deren Abschaffung, und 90 Prozent stimmen sogar dem alten Sprichwort zu: „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“