Versicherungen

Junge Autofahrer können sparen

Neue Tarife: Bei der Kfz-Police zählt das Alter bisher doppelt ungünstig. Doch das ändert sich 2013

Wer gerade 18 geworden ist, den Führerschein gemacht hat und jetzt ein Auto kaufen will, ist nicht zu beneiden. Denn nicht nur die Anschaffungskosten für den ersten Wagen oder die hohen Spritpreise machen Fahranfängern zu schaffen. Teurer kann auch die Versicherung sein. Denn junge Fahrer gelten bei Versicherern als Risiko. Doch jetzt könnten sie von einer Umstellung bei der Typklassen-Berechnung profitieren. Die Typklasse gibt an, wie oft ein bestimmtes Automodell in Unfälle verwickelt ist. Autos, die vor allem junge Menschen fahren, sind meistens auch in einer schlechten Typklasse. Denn Fahranfänger haben häufiger Unfälle als erfahrenere Autofahrer. Fahrer von typischen Fahranfänger-Autos zahlen deshalb bisher höhere Beiträge.

Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BDV) kritisiert die bisherige Einteilung. „Auch gute Autofahrer werden allein dafür bestraft, dass sie das falsche Fahrzeug haben. Das individuelle Fahrverhalten spielt so nur eine untergeordnete Rolle. Ganz nebenbei beeinflusst die Versicherungswirtschaft damit auch ganz massiv den Gebrauchtwagenmarkt.“ Die Leidtragenden sind meist junge Fahrer.

Es soll gerechter zugehen

Und die sind auch bei der Schadensfreiheitsklasse benachteiligt. Die Schadensfreiheitsklasse zeigt Versicherern, wie lange ein Autofahrer ohne Versicherungsschaden unterwegs ist. Bei jungen Fahrern ist diese Zeit natürlich kurz, die Schadensfreiheitsklasse kann nur schlecht sein. Daher werden die Jungen für ihr Alter doppelt bestraft: bei der Autotyp- und der Schadensfreiheitsklasse. So scheitert der Traum vom Auto häufig an der Versicherung. Doch jetzt soll das besser werden. Der Faktor Alter fällt zumindest bei der Typklassen weg. „Wir wollen, dass es gerechter zugeht“, sagt Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der deutschen Versicherer (GDV), der die Einteilung jedes Jahr macht. „Das Alter der Fahrer wird nun bei der Einteilung der Typklassen herausgerechnet.“ Statistisch würden die Ergebnisse so geglättet, dass die Alterskomponente wegfiele. „Wir tun praktisch so, als hätte eine Mercedes S-Klasse die gleiche Altersstruktur bei den Fahrern wie ein Opel Corsa.“

Nach dem gleichen Prinzip verfährt der GDV schon an einer anderen Stelle, nämlich bei der Regionalklasse. Die Regionalklasse bildet ab, welche Region in Deutschland aus Versicherersicht am gefährlichsten ist. In einer Großstadt etwa passieren mehr Unfälle als auf dem Land. Ein Auto, das in Städten sehr beliebt ist, hat also statistisch gesehen häufig Schadensfälle. Deshalb würde es gleichzeitig in eine schlechte Typ- und eine schlechte Regionalklasse eingeteilt. Um das zu vermeiden, wird der regionale Effekt bei der Einteilung in die Typklasse herausgerechnet.

Genauso macht es der GDV jetzt mit dem Alter der Fahrer. Die aktuelle Einteilung veröffentlichte der Verband im September, sie gilt ab dem 1. Januar 2013. Beliebte Fahranfänger-Modelle sind dann unter Umständen günstiger zu versichern (siehe Grafik). Insgesamt hat fast die Hälfte aller 22.000 Modelle in Deutschland eine neue Klasse. Sie gilt sowohl für bestehende Verträge als auch für Neuverträge.

Kündigungsfrist: 30 Tage

Wer mit seinem Auto in eine günstigere Typklasse eingestuft wurde, zahlt aber nicht automatisch weniger, sagt Alois Schnitzer von der HUK Coburg. Das liege daran, dass die Versicherer sich nicht nur an der Typ-Klasse orientieren, sondern auch an der Regional- und der Schadensfreiheitsklasse. „Ob sich durch eine Typklassen-Umstufung der einzelne Beitrag ändert, hängt davon ab, wie das Beitragsniveau insgesamt geändert wird“, sagt der Experte. „Verteuert sich der Beitrag insgesamt, wird das durch die schlechtere Typklasse verstärkt.“ Umgekehrt könne eine bessere Typklasse die Verteuerung abmildern oder eine Vergünstigung verstärken.

Wichtig: Für Haftpflicht-, Vollkasko- und Teilkasko gibt es unterschiedlich viele Typklassen. Bei der Haftpflicht sind es 16, von 10 (sehr gut) bis 25 (sehr schlecht). Bei der Teil- und Vollkasko unterscheidet der GDV sogar 24 (Teilkasko) bzw. 25 (Vollkasko) Klassen. Auch hier ist die Nummer 10 die beste. Daniel Friedheim vom Vergleichsportal „check24.de“ rät Autofahrern, sich schnellstmöglich beim Versicherer zu erkundigen, ob auch das eigene Auto in eine andere Typklasse eingeteilt wurde. Auf der Homepage des GDV kann man auch selbst nachsehen (www.gdv-dl.de/typklassenverzeichnis.html). „Erhöht die Versicherung aber den Beitrag, weil das Fahrzeug in eine neue Typklasse eingeteilt wurde, hat der Kunde ein Sonderkündigungsrecht.“ Sobald der Versicherer die Preiserhöhung bekannt gibt, könne er innerhalb von 30 Tagen fristlos kündigen und den Anbieter wechseln.

Komplizierter durch Unisex-Tarife

Das gelte auch, wenn der Versicherte erst nach Jahreswechsel von der Erhöhung erfährt. Allerdings könne er dann nicht mehr von den günstigen Angeboten profitieren, die die Versicherer zum Jahreswechsel anbieten. „Deshalb sollte man immer schon frühzeitig bei der Versicherung nachfragen, was sich verändert.“ Doch auch unabhängig von einer neuen Typklasse kann sich ein Wechsel des Versicherers lohnen. Wichtig ist, rechtzeitig den alten Vertrag zu kündigen. Stichtag ist für die meisten Autofahrer der 30. November.

Neu sind ab dem 21. Dezember die „Unisex-Tarife“. Neu abgeschlossene Versicherungen dürfen dann keine unterschiedlichen Beiträge für Männer und Frauen enthalten. Das könnte die Policen für Frauen verteuern: Weil sie statistisch gesehen weniger Unfälle haben als Männer, zahlten sie bislang geringere Beiträge. Wie sich das genau auf die monatliche Prämie auswirkt, kann man nicht genau sagen. Denn die Beiträge orientieren sich nicht nur am Geschlecht, sondern eben auch am Wohnort und am Fahrzeugtyp.

Eine Studie des Beratungsunternehmens Oxera hat Ende 2011 die Folgen der Unisex-Tarife untersucht. Demnach steigen die Prämien in der Kfz-Versicherung für junge Frauen um mindestens elf Prozent. Das gilt aber nur, wenn alle sonstigen Parameter bei den Unternehmen gleich bleiben. Der Wettbewerb unter den Versicherern kann natürlich in der Realität zu anderen Prämien führen. Die Unisex-Tarife gelten zudem nur für Neuverträge.