EU

Griechische Unternehmen verlassen das Land

Konzerne wollen höhere Steuerzahlungen vermeiden

Es sind empfindliche Rückschläge für Griechenland. Wichtige Unternehmen verlegen ihren Sitz ins Ausland. Hintergrund sind auch hohe Steuersätze. Dem Fiskus entgehen weitere Millionen, die jahrelange Abwanderung von Unternehmen aus Griechenland erreicht einen neuen Höhepunkt.

Für Aufsehen in Athen sorgte vor allem, dass die größte griechische Firma, die Coca-Cola Hellenic (CCH), ihren Firmensitz von Griechenland in die Schweiz verlegt. CCH ist einer der weltweit größten Abfüller des amerikanischen Getränks und anderer ähnlicher Produkte, das Unternehmen machte im vergangenen Jahr einen Gewinn von knapp 330 Millionen Euro. Mit der Abwanderung verliert der Fiskus Schätzungen zufolge mindestens 60 Millionen Euro im Jahr, wie die griechische Presse berichtete.

Und das ist nicht der einzige Schlag für die griechische Regierung: Vor wenigen Tagen hatte bereits eines der größten Milchprodukte-Unternehmen, die FAGE, bekannt gegeben, sie verlege ihren Sitz nach Luxemburg. Die Traditionsfirma gibt es in Griechenland seit 1923. Die Entwicklung ist nicht neu: Bereits in den vergangenen zehn Jahren waren zahlreiche griechische Textil-, Treibstoff-, Bau- und Lebensmittelunternehmen in die benachbarten Balkanstaaten Bulgarien und Mazedonien abgewandert.

Einziger Trost: Beide Unternehmen, CCH und FAGE, wollen ihre Produktionswerke in Griechenland unangetastet lassen. „Wir müssen ein stabiles Steuersystem haben, und das Liquiditätsproblem muss gelöst werden. Nur dann können wir hoffen, dass die Firmen in Griechenland bleiben und neue Investitionen kommen“, sagte ein Regierungsmitarbeiter am Freitag. Wirtschaftsminister Kostis Hadzidakis reagierte resigniert: „Ich kann nicht den Wirtschaftspolizisten spielen“, sagte er im Fernsehen, nachdem die Abwanderung der Coca-Cola Hellenic bekannt geworden war. Er könne den Firmen nicht diktieren, was sie machen sollen.

Wie es aus Unternehmenskreisen hieß, sei die Firma gezwungen, in erster Linie wegen der hohen Steuern – die derzeit bei 20 Prozent für die Gewinne liegen – ihren Sitz in die Schweiz zu verlegen. Zudem sei es wegen des Liquiditätsproblems der griechischen Banken immer schwieriger, Kredite zu bekommen, „obwohl wir eine der weltweit bekanntesten Firmen sind“, sagte ein Funktionär der Firma. Auch die Milchprodukte-Firma FAGE ließ in der Presse durchsickern, die Gründe für die Abwanderung seien die hohe Besteuerung sowie die begrenzten Möglichkeiten, an Kredite ranzukommen.