Strategiewechsel

Baumarktkonzern Praktiker versucht es mit dem dritten Chef

Die angeschlagene Baumarktkette Praktiker wechselt innerhalb von anderthalb Jahren zum dritten Mal den Vorstandschef aus. Wie Praktiker am Freitag mitteilte, hat Kay Hafner um eine vorzeitige Auflösung seines Vertrages gebeten.

Zuvor war am Donnerstag Aufsichtsratschef Karsten von Schenck zurückgetreten. Beide hatten sich in den vergangenen Monaten einen beispiellosen Machtkampf mit Aktionären um die Rettung des Konzerns geliefert. Nach den Rücktritten übernehmen die Investoren die Kontrolle.

Die Baumarktkette war wegen ihrer jahrelangen ruinösen Billigstrategie („20 Prozent auf alles“) und aufgrund von Missmanagement tief in die roten Zahlen gerutscht. 2011 machte das Unternehmen mehr als 500 Millionen Euro Verlust. Retten soll das Unternehmen ein Strategieschwenk weg vom Billigimage. Dazu werden die meisten Häuser in Baumärkte der Tochter Max Bahr umgebaut. Deren höherwertiges Konzept gilt als zukunftsträchtiger. Finanziert werden soll das Vorhaben durch Sanierungskredite und eine Kapitalerhöhung. Zu Monatsbeginn hatte sich Praktiker mit den Investoren auf die Kapitalerhöhung geeinigt, bei der der deutsche Finanzinvestor Clemens Vedder und der österreichische Investor Donau Invest einen Mindesterlös von 40 Millionen Euro garantieren. Damit hat Praktiker zwei Drittel seiner geplanten Einnahmen sicher. Die Investoren übernehmen die Aktien, wenn andere Aktionäre nicht zugreifen. Am Freitag teilte das Unternehmen mit, dass ein weiteres Darlehen über 15 Millionen Euro gesichert sei.

Die neue Strategie umsetzen soll als Chef das bisherige Aufsichtsratsmitglied Armin Burger. Der Wiener Immobilienmanager war von der österreichischen Privatbank Semper Constantia als Vertreter in den Aufsichtsrat entsandt worden. Semper ist Aktionär der Baumarktkette und hat das Sanierungsdarlehen organisiert. Die Bank ist mit Donau Invest verbunden. Neuer Aufsichtsratschef ist Semper-Chef Erhard Grossnigg.