Interview

„Als Manager bin ich nicht geeignet“

Klaus Herlitz war Vorstand im Familienkonzern, heute reist er mit 140 Buddy-Bären um die Welt

Stundenlang kann Klaus Herlitz Geschichten erzählen: über Menschen, die seine Frau und er auf ihren Reisen mit den United Buddy Bears kennengelernt haben, über Künstler aus aller Welt, denen sie die Gestaltung der Bären verdanken – und über Friseure, denn in jeder Stadt im Ausland lässt sich Herlitz einmal die Haare schneiden. Bei Friseur Gadischke am Bayerischen Platz in Schöneberg plaudert er munter los.

Berliner Morgenpost:

Herr Herlitz, wieso gehen Sie bei Ihren Auslandsreisen immer zum Friseur?

Klaus Herlitz:

Ich habe damit vor vielen Jahren angefangen, als wir einmal mit der Familie in Barcelona waren. Der Friseur hatte noch ältere Friseurstühle, als sie hier stehen. Als ich rauskam, sagten alle: Sieht ja toll aus.

Wann war das?

Es muss mehr als zehn Jahre her sein, ich habe noch mit Peseten bezahlt.

Also vor den Buddy-Bären.

Ja, damals entstand die Idee. Man kann sich zwar nicht überall mit den Leuten unterhalten, aber die unterschiedlichen Gebräuche sind doch interessant. In Korea zum Beispiel war der Haarschnitt fertig, sah wunderbar aus, doch dann legte mir der Friseur ein feuchtes Handtuch auf den Kopf und rubbelte die Haare kräftig durch. Wie ein Zauberkünstler hat er das Tuch dann vom Kopf genommen, und die Haare sahen perfekt aus.

Friseur: Soll es ein Fasson sein?

Herlitz: Was ist denn ein Fasson?

Friseur: Na, wenn die Haare seitlich angeschnitten werden.

Herlitz: Nein, machen Sie sie nur ein wenig kürzer, bitte.

Gehen Sie in Deutschland noch zum Friseur?

Ja, aber das ist nicht das gleiche Erlebnis. In Bhutan beispielsweise fing der Friseur plötzlich an, auf meinen Kopf zu trommeln – und das immer fester. In diesem Jahr war ich schon in Kuala Lumpur, Neu-Delhi, St. Petersburg zum Haareschneiden.

Wie lang sind Sie mit den Bären jeweils in einer Stadt?

In der Regel fünf bis sechs Tage um die Eröffnung der Ausstellung. Wir haben das große Glück, nicht nur als Touristen zu kommen. In Kairo haben wir selbstverständlich die Pyramiden und das ägyptische Museum angesehen. Wir kommen bei den Ausstellungen zusammen mit Künstlern, Arbeitern, ganz unterschiedlichen Menschen. Aber wir haben auch den damaligen Gouverneur von Kairo und die Frau von Husni Mubarak kennengelernt. Und über die Bären kann man immer reden.

Ab Freitag ist Ihre Ausstellung fünf Wochen lang in Paris zu sehen. Haben Sie sich dort schon einen Friseur ausgeguckt?

Nein, das mache ich nie vorher. Ich gehe durch die Stadt und suche nach einem originellen Coiffeur. Aber nichts Modernes, sondern eher das alte, biedere Handwerk.

Mit Stühlen wie hier im Laden?

Richtig. Deswegen finde ich das hier so schön. Auch dass außen dransteht: „Gegründet 1931“.

Damals führte Ihr Großvater das Unternehmen Herlitz noch, kurz danach ging es an Ihren Vater über.

Ja, 1935 übernahm mein Vater mit 22 Jahren die damals kleine Firma vom Großvater, der schwer krank wurde und drei, vier Jahre später gestorben ist.

Wie alt waren Sie, als Sie ins Unternehmen eingestiegen sind?

Bei mir gibt es 25-Jahres-Sprünge im Leben: Ich habe 1972 bei der Herlitz AG angefangen, da war ich 25 Jahre und drei Tage alt. Dann war ich exakt 25 Jahre lang im Unternehmen, und jetzt befinde ich mich im dritten 25-Jahre-Abschnitt.

Alle drei Abschnitte haben Sie in Berlin verbracht. Sind Sie besonders heimatverbunden?

Mich hat in Berlin immer fasziniert, wie es einmal war und wie es sich veränderte. Ich bin ja als Nachkriegs- und Blockadekind geboren. Davon wird man geprägt. Auch von besonderen Erfahrungen wie Ernst Reuters großer Rede oder Kennedys Besuch in Berlin. Das schönste Ereignis war der 9.November 1989 mit dem Fall der Mauer. An den Wochenenden danach waren in der Stadt Tausende Trabis. Es hat gestunken, aber der Gestank war einfach toll. Es war der „Gestank der Freiheit“ – in diesem Fall ein wunderbarer Geruch!

Friseur: Ohren frei?

Herlitz: Ein bisschen frei, ja.

Sie waren Vorstand eines Milliardenkonzerns – jetzt leiten Sie eine Acht-Personen-Firma. Wie ist das für Sie?

Ich war bis 1995 Unternehmer. Dann ist die Firma Herlitz umgewandelt worden in eine Holding, ab dann war ich angestellter Manager. Das ist ein Riesenunterschied. Der Unternehmer denkt 24 Stunden am Tag an seine Firma, seine Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter, an die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Der Manager denkt erst einmal an sein persönliches Wohl und Wehe. Und wenn er scheitert, ist er weg und bekommt eine Abfindung.

Heute sind Sie wieder Unternehmer – in einem viel kleineren Maßstab.

Als Manager bin ich nicht geeignet. Auch ein Grund, weshalb ich 1997 die Firma verlassen habe.

War das eine Niederlage?

Es war schon schwer für mich. In meiner Zeit als Marketingvorstand war ich immer auf der Suche nach neuen Ideen, Verpackungen, Produkten für Herlitz. Wenn ich in Kaufhäuser gegangen bin, egal wo, zog es mich immer zunächst in die Schreibwarenabteilung. Das lässt sich nicht sofort abstellen. Erst drei, vier Jahre nach dem Abschied aus der Firma habe ich damit aufgehört. Herlitz: Jetzt mal in den Spiegel sehen – sehr gut.Friseur: Noch kürzer?Herlitz: Nein, nein.