Marktbericht

Iranischer Absturz

Tobias Kaiser über dramatische Währungsverluste

Alles hängt am Geld, vor allem die Macht. Das zeigt sich gerade im Iran. Eine galoppierende Inflation destabilisiert die Wirtschaft – und gefährdet das theokratische Regime. Der Basar in Teheran, eines der wichtigsten Handelszentren des Landes, blieb geschlossen, nachdem die Polizei dort Tränengas gegen Zehntausende Demonstranten eingesetzt hatte. Es ist das erste Mal seit der Islamischen Revolution von 1979, dass sich die konservativen Kaufleute, bisher eine starke Stütze des Regimes, gegen die Regierung wenden. Auslöser ist der Verfall der Landeswährung. Der Rial hat seit Juni 2011 etwa zwei Drittel seines Wertes zum Dollar verloren. Am Dienstag verlangten Geldhändler in Teheran 37.500 Rial für einen Dollar, acht Tage früher waren es 23.000 Rial.

Verantwortlich für den Absturz sind vor allem die politischen Sanktionen gegen den Irak. Europa und die USA versuchen, die iranische Regierung von ihrem Nuklearprogramm abzubringen.

Als Folge der Sanktionen sind die Banken des Landes vom internationalen Zahlungsverkehr weitgehend abgeschnitten. Die Sanktionen behindern auch die Ölexporte, die wichtigste Einnahmequelle des Staates. Die 78 Millionen Einwohner leiden bereits unter dem Währungsverfall. Händler können kaum noch Preise für ihre Waren festsetzen und verzichten oft komplett darauf, Geschäfte zu machen. Die Menschen versuchen, ihre Rial-Ersparnisse in harte Währung umzutauschen, und horten bereits Güter des täglichen Bedarfs. Und nun Demonstrationen. Und der Ruf „Tod dem Diktator“.