Fusion mit MetroPCS

Telekom vermählt sein US-Sorgenkind

T-Mobile USA fusioniert mit dem Rivalen MetroPCS. Allerdings führt das Geschäft zu einem Milliardenverlust

– Die Deutsche Telekom will ihr kriselndes US-Mobilfunkgeschäft durch eine Fusion mit dem Rivalen MetroPCS auf Vordermann bringen. Die Führungsgremien beider Konzerne hätten dem Zusammenschluss der beiden US-Unternehmen zugestimmt, teilte die Telekom am Mittwoch mit. Allerdings stehe eine Zustimmung der MetroPCS-Aktionäre und der zuständigen Behörden noch aus. Die Telekom soll drei Viertel der Anteile an dem neuen Unternehmen halten – die bisherigen MetroPCS-Aktionäre bekommen den Rest sowie 1,5 Milliarden Dollar (1,16 Milliarden Euro) in bar. Das Unternehmen trage auch künftig den Namen T-Mobile. MetroPCS ist der fünftgrößte Mobilfunkfirma in Amerika – die Telekom-Tochter rangiert auf Platz vier.

Teure Mitgift

Für die Mobilfunkhochzeit zahlt die Telekom eine teure Mitgift. Da T-Mobile USA nun nicht mehr so hoch bewertet werde wie beim Einstieg des Bonner Konzerns vor gut zehn Jahren, müssten voraussichtlich sieben bis acht Milliarden Euro auf das Unternehmen abgeschrieben werden, hieß es. Das werde sich auf das Jahresergebnis niederschlagen. Genauere Angaben macht die Telekom dazu nicht. Allerdings droht dem Konzern damit dieses Jahr ein hoher Verlust – 2011 wurde lediglich ein Überschuss von 560 Millionen Euro erzielt. Die Telekom hatte für den T-Mobile-Vorgänger Voicestream Anfang des Jahrtausends umgerechnet 40 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt.

Durch die Zusammenlegung erhofft die Telekom sich hohe Einsparungen. Die Kosten sollten damit sechs bis sieben Milliarden Dollar sinken. Das neue Unternehmen habe 42,5 Millionen Handy-Kunden und dürfte 2012 bei einem Umsatz von 24,8 Milliarden Dollar einen Betriebsgewinn von 6,3 Milliarden Dollar erwirtschaften. Durch den Zusammenschluss erhält die Telekom in den USA einen Börsennotierung. Der Konzern hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Pläne durchgespielt, die Tochter abzuspalten und separat an die Börse zu bringen. Wegen der schlechten Wachstumsaussichten in den USA wurden die Pläne verworfen.

Für die Deutsche Telekom ist das Zusammengehen der nur die zweitbeste Lösung. Eigentlich wollte der Bonner Konzern T-Mobile USA im vergangenen Jahr für 39 Milliarden Dollar an den Telekomriesen AT&T verkaufen. Die US-Wettbewerbsbehörden stoppten die Transaktion mit der Begründung, das damit einer der vier landesweiten Mobilfunknetzbetreiber verschwunden wäre. Auch dieses Mal müssen die Behörden wieder zustimmen. Die Chancen für ein Okay sind aber höher, da MetroPCS nur ein Regionalanbieter ist. Die Telekom erwartet, dass alle erforderlichen Genehmigungen im ersten Halbjahr 2013 vorliegen. Die Charmeoffensive bei den Regulierungsbehörden wird die erste große Herausforderung für den seit zwei Wochen amtierenden neuen T-Mobile-Chef John Legere.

Kunden springen ab

Die Telekom hat in den USA eine zu geringe Kundenbasis, um die teure Infrastruktur auszulasten. Zudem waren T-Mobile USA zuletzt viele Kunden davongelaufen, da das Unternehmen anders als die drei großen Wettbewerber Verizon, AT&T und Sprint nicht das iPhone von Apple anbietet. Allein im ersten Halbjahr kehrten mehr als eine Million Vertragskunden dem Unternehmen den Rücken.

Zur besseren Auslastung der Mobilfunkmasten in den USA hatte die Telekom bereits angekündigt, diese an den Betreiber Crown Castle abzugeben, danach aber weiterzunutzen. Während die Telekom damit Geld in die Kasse bekommt, hätte dies für Crown Castle den Vorteil, dass das Unternehmen die Masten auch an andere Mobilfunkanbieter vermieten kann.

Einige Analysten stehen einem Zusammengehen von T-Mobile USA mit MetroPCS skeptisch gegenüber, da die beiden Mobilfunkanbieter unterschiedliche Technologien nutzen. Zudem kämpfen auch die Amerikaner mit Problemen. MetroPCS konzentriert sich wie der Konkurrent Leap Wireless auf kostenbewusste Kunden. Doch inzwischen werben auch größere Rivalen wie Sprint um diese Nutzer und machen den kleineren Anbietern das Leben schwer.