Sicherheit

Mängel in finnischer Atomanlage

| Lesedauer: 3 Minuten

EU-Bericht kritisiert Sicherheitsstandards in skandinavischen und deutschen Kraftwerken. Die meisten Probleme gibt es in Frankreich

Auch die deutschen Atomkraftwerke haben nach Erkenntnissen der EU Sicherheitslücken, etwa bei der Warnung vor Erdbeben. Das ist ein Ergebnis des nach der Katastrophe von Fukushima eingeleiteten EU-weiten Stresstests. Alle neun noch laufenden Atomkraftwerke in Deutschland müssten die auf den Anlagen installierten Warnsysteme nachbessern, fordert der Entwurf zum Bericht der EU-Kommission.

Zudem hätten die Betreiber die internationalen Leitlinien für schwere Unfälle nicht umgesetzt. Offizielle Ergebnisse will die EU-Kommission erst Mitte Oktober veröffentlichen. Während sich Umweltschützer in ihrer Forderung nach einem europaweiten Atomausstieg bestätigt sehen, gab sich das Bundesumweltministerium gelassen.

Vor allem die französischen Atomkraftwerke schnitten bei den Streßtests schlecht ab, wie die Berliner Morgenpost berichtete. Kritikpunkte sind vor allem fehlende oder ungenügende Erdbeben-Messgeräte, die sichere Lagerung von Unfallausrüstung und Mängel bei der Prüfung von Erdbeben- und Flutgefahren. Besonders schwerwiegende Mängel belegt der EU-Report für zwei Werke – Olkiluoto in Finnland und Forsmark in Schweden –, wo die Betreiber weniger als eine Stunde Zeit haben, um nach einem kompletten Stromausfall und/oder einem Ausfall der Kühlsysteme die Sicherheitssysteme wieder hochzufahren.

Wie jetzt bekannt wurde, hatte es am Sonntag im französischen Atomkraftwerk Cattenom nahe der deutschen Grenze erneut eine Panne gegeben. Block 1 habe sich nach dem Austausch eines defekten elektronischen Elements automatisch abgeschaltet, berichtete das Umweltministerium in Saarbrücken.

Das Bundesumweltministerium blieb angesichts der Informationen, die zu den Streßtests bekannt gewiorden waren, entspannt. Ein Sprecher von Minister Peter Altmaier (CDU) sagte in Berlin: „Die Erdbebensicherheit ist bisher nicht beanstandet worden bei Kernkraftwerken in Deutschland.“ Auch in zentralen Sicherheitsfragen wie Kühlwasser, Stromversorgung und Notfallmaßnahmen habe es keine Beanstandungen gegeben.

Als Reaktion auf das Unglück im japanischen Fukushima hatte die EU europaweit alle 145 Nuklearreaktoren (aktive und stillgelegte) auf ihre Sicherheit hin geprüft. In Deutschland waren es zwölf Anlagen mit 17 Reaktoren: Biblis A und B, Brokdorf, Brunsbüttel, Emsland, Grafenrheinfeld, Grohnde, Gundremmingen B und C, Isar I und II, Krümmel, Neckarwestheim I und II, Philippsburg I und II, Unterweser. Bei allen werden die zwei genannten Punkte in punkto Erdbeben bemängelt. 2011 hatte die Bundesregierung die Stilllegung von acht der 17 Atomkraftwerke verfügt.

Wenn ein Werk beim Streßtest durchfällt, müsste es nachgerüstet oder abgeschaltet werden. Um die Mängel zu beheben, müssten die Betreiber EU-weit nach Rechnung der EU-Kommission für alle 134 noch laufenden Reaktoren in den kommenden Jahren zwischen zehn und 25 Milliarden Euro investieren. Innerhalb der EU setzen derzeit 14 von 27 Staaten auf Kernenergie.

Die EU-Kommission wollte sich zu den Ergebnissen des Tests nicht äußern. Resultate würden in den kommenden Wochen bekanntgegeben und dem nächsten EU-Gipfel am 18./19. Oktober vorgelegt, sagte die Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Der Bericht sei noch nicht abgeschlossen. Der Report werde den Staaten Empfehlungen geben, um die Sicherheit von Kernkraftwerken zu verbessern.

( dpa )