Versicherungen

Junge Autofahrer profitieren von neuer Typklassen-Einteilung

Wer gerade 18 geworden ist, den Führerschein gemacht hat und jetzt ein Auto kaufen will, ist nicht zu beneiden.

Denn nicht nur die Anschaffungskosten für die erste Karre oder die extremen Spritpreise machen einem Fahranfänger zu schaffen. Viel teurer noch kann die Versicherung sein, die der neue Bolide braucht. Denn junge Fahrer gelten bei Versicherern als Risikogruppe. Doch jetzt könnten sie von einer Umstellung bei der Typklassenberechnung profitieren.

Die Typklasse gibt an, wie oft ein bestimmtes Automodell in Unfälle verwickelt ist. Autos, die vor allem junge Menschen fahren, sind meistens auch in einer schlechten Typklasse. Denn Fahranfänger haben häufiger Unfälle als erfahrenere Autofahrer. Fahrer von typischen „Fahranfänger-Autos“ zahlen deshalb bisher höhere Versicherungsbeiträge.

Gute Autofahrer wurden bestraft

Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten kritisiert die bisherige Klassen-Einteilung. „Auch gute Autofahrer werden allein dafür bestraft, dass sie das falsche Fahrzeug haben. Das individuelle Fahrverhalten spielt so nur noch eine untergeordnete Rolle. Ganz nebenbei beeinflusst die Versicherungswirtschaft damit auch ganz massiv den Gebrauchtwagenmarkt.“ Die Leidtragenden sind meist junge Fahrer. Und die sind auch bei der Schadensfreiheitsklasse arm dran. Die Schadensfreiheitsklasse zeigt den Versicherern, wie lange ein Autofahrer ohne Versicherungsschaden unterwegs ist. Bei jungen Fahrern ist diese Zeit natürlich kurz, die Schadensfreiheitsklasse schlecht. Die Folge ist, dass die Jungen für ihr Alter doppelt bestraft werden - bei der Typklasse und der Schadensfreiheitsklasse. So scheitert der Traum vom eigenen Auto häufig an exorbitanten Versicherungsbeiträgen.

Doch jetzt soll alles besser werden. Der Faktor Alter fällt zumindest bei der Typklassenberechnung weg. „Wir wollen, dass es gerechter zugeht“, sagt Katrin Röter de Escobar vom Gesamtverband der deutschen Versicherer (GDV). „Das Alter der Fahrer wird nun bei der Einteilung der Typklassen herausgerechnet.“ Mit einem statistischen Verfahren würden die Ergebnisse so geglättet, dass die Alterskomponente wegfiele. „Wir tun praktisch so, als hätte eine Mercedes S-Klasse die gleiche Altersstruktur bei den Fahrern wie ein Opel Corsa.“ Nach dem gleichen Prinzip verfährt der GDV schon in der Regionalklasse. Die Regionalklasse bildet ab, welche Region in Deutschland aus Versicherer-Sicht wie gefährlich ist. In einer Großstadt passieren mehr Unfälle als auf dem Land. Ein Auto, das in Städten sehr beliebt ist, hat also statistisch gesehen häufig Schadensfälle. Um das zu vermeiden, wird der regionale Effekt bei der Einteilung in die Typklasse herausgerechnet.