Leserfrage

Bin ich zu Überstunden verpflichtet?

Immer wieder verlangt mein Chef von mir Überstunden. Muss ich dem nachkommen? Ich möchte nicht meinen Job riskieren, weil ich mich weigere. Meine Kollegen weigern sich ja auch nicht und arbeiten mehr.

Grundsätzlich schulden Sie nur die vereinbarte Arbeitszeit. Bei Überstunden muss jeweils eine Abwägung erfolgen: Die Interessen des Unternehmens daran, dass die Überstunden geleistet werden (Arbeitsspitzen, dringender Auftrag, Urlaubs- und Krankheitsvertretung o.ä.) sind gegen die Interessen des Arbeitnehmers abzuwägen. Wenn möglich sollte zunächst auf Arbeitnehmer zurückgegriffen werden, die geeignet sind und Überstunden freiwillig (zum Beispiel wegen des Mehrverdienstes) leisten. Wenn ein betriebliches Interesse besteht, kann der Arbeitgeber aber Überstunden anordnen, die der Arbeitnehmer nur dann verweigern kann, wenn seine Freizeitinteressen besonders schwer wiegen. Dies ist beispiels-weise der Fall, wenn die Überstunden nicht absehbar waren und eine Reise oder eine Veranstaltung fest gebucht ist, ein unaufschiebbarer Arzttermin vereinbart wurde o.ä. Generell dürfen Überstunden nur angeordnet werden, wenn keine zwingenden Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes entgegenstehen: So darf in der Regel täglich nicht mehr als zehn Stunden (ohne Pausen) gearbeitet werden. Existiert ein Betriebsrat, muss dieser Überstunden (in der Regel vorab) zustimmen.

Sie dürfen sich also im Ergebnis in der Regel nur dann weigern, Überstunden zu leisten, wenn Sie hierfür einen besonders wichtigen Grund haben.