Altersvorsorge

Gnadenfrist für die Riester-Rente

Politik will mit neuen Transparenzregeln den ramponierten Ruf des Vorsorgemodells retten

Eins ist sicher: Die Riester-Rente hat in diesem Jahr viel von ihrem Image als, sichere, renditebringende und staatlich geförderte Altersvorsorge eingebüßt. Alte und potenzielle Neu-Kunden sind massiv verunsichert. Verschiedene Institute stellten in Studien die Sinnhaftigkeit des Produkts generell in Frage und kritisierten die Verschwendung der Zulagen, zu hohe Kosten und zu geringe Renditen. Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein kritisiert, dass die Riester-Rente aus Sicht des Staates und jedes Steuerzahlers herausgeschmissenes Geld sei. Insgesamt gibt es derzeit in Deutschland rund 15,5 Mio. Riester-Verträge. Die aktuellen Quartalszahlen des Arbeitsministeriums zeigen für Riester-Produkte einen deutlichen Einbruch beim Bestandszuwachs - sowohl bei Fonds als auch Versicherungen. Die Bundesregierung hat in der vergangenen Woche eine Vertrauensoffensive gestartet. Mit einheitlichen „Beipackzetteln“ sollen Sparer Riester-Verträge unterschiedlicher Anbieter künftig leichter miteinander vergleichen können. Die Gestaltung der Produktinformationsblätter und die von den Anbietern zu nennenden Eckpunkte zu Renten-Angeboten werden der Branche vorgegeben. Angeführt werden sollen etwa anfallende Abschlusskosten, zu erwartende Renditen der Verträge oder etwaige Risiken. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bezeichnete den Kabinettsbeschluss der Bundesregierung als richtigen Schritt, um die Rahmenbedingungen für die geförderte Altersvorsorge in Deutschland weiter zu verbessern. Das sieht Kleinlein, Vorstand der Verbraucherorganisation Bund der Versicherten (BDV) anders: „Das ist nicht der große Wurf, mit dem man die Probleme lösen kann. Vieles ist noch nicht richtig durchdacht – die neuen Regeln schaffen eher Transparenz für Fachleute, als für Verbraucher.“ Seiner Meinung nach wird hier viel Geld für eine neue, teure und überflüssige Bürokratie ausgegeben.

Neben der neuen Preistransparenz sieht der Kabinettsentwurf vor, dass die Kosten für Anbieterwechsel künftig begrenzt werden sollen. Laut Bundesfinanzministerium sollen bei einem Wechsel künftig nur noch maximal 50 Prozent des übertragenen Kapitals bei der Berechnung der Abschluss- und Vertriebskosten berücksichtigt werden.

Auch bei Wohn-Riester wird nachgebessert. Bei der privaten Vorsorge über Wohneigentum sollen Verbraucher das angesparte Kapital in Zukunft freier nutzen können. Bislang kann Kapital aus entsprechenden Riester-Verträgen nur begrenzt entnommen werden. Für die Bildung von selbstgenutztem Wohneigentum soll Altersvorsorgevermögen in Zukunft laut Ministerium „jederzeit“ entnommen werden können. Zudem können Vorsorge-Sparer künftig mehr von der Steuer absetzen: Beiträge zur sogenannten Basisvorsorge fürs Alter sollen bis zu einer Schwelle von 24.000 Euro im Jahr geltend gemacht werden können. Bisher liegt die Grenze bei 20.000 Euro. Zur Basisvorsorge gehören auch die Ausgaben zur gesetzlichen Rentenversicherung. Künftig sollen zusätzlich auch Ausgaben für Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherungen unter diese Regelung fallen.