Familie

Flexiblere Arbeitszeiten gewünscht

Deutschlands Firmen müssen laut Studie familienfreundlicher werden. Die Betreuung für kleine Kinder soll ausgebaut werden

Laut dem „Monitor Familienleben 2012“, den Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) vorgestellt hat, wünschen sich drei Viertel der Bevölkerung von der Familienpolitik vor allem eins: Erleichterungen für Eltern, die beides wolle, nämlich Familie und Beruf. Zu diesem Ergebnis kommen die Befragungen des Familienmonitors bereits seit Jahren. „Familien wollen Verlässlichkeit und Zuversicht, die Vereinbarkeit ist mein zentrales Thema“, sagte Familienministerin Schröder.

Jeder zweite Befragte sieht eine stärkere Förderung von jungen Familien mit Kindern als eine der wichtigsten politischen Aufgaben insgesamt. Den Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren befürworten drei Viertel. Ab August 2013 erhalten Eltern von Kindern zwischen einem und drei Jahren Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer Kindertagesstätte oder bei einer Tagesmutter. Allerdings glauben nur zwölf Prozent der Befragten, dass der Ausbau der Betreuung bundesweit im geplanten Umfang gelingen wird.

Die Skepsis ist begründet, so hat bereits das Bundesland Bremen eingestanden, den Ausbau nicht rechtzeitig zu schaffen. So ermahnte auch Schröder die Länder, beim stockenden Kita-Ausbau aufs Tempo zu drücken und an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn sie den Ausbau nicht wie geplant schafften.

Mütter besonders belastet

Der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz sei für sie „nicht verhandelbar“. Er verbessere die Entwicklungschancen für Kinder. Eindeutig ist auch der Ruf nach flexibleren Arbeitszeiten. Fast alle Mütter, insgesamt 96 Prozent, wünschen sich in diesem Bereich Verbesserungen von den Betrieben. Kristina Schröder sagte, die Menschen wünschten nicht nur, dass der Staat für die Kinder da sei, sondern auch die Arbeitgeber. „Die Unternehmen in Deutschland sollten diesen Wunsch ernster nehmen“. Das Elterngeld halten fünf Jahre nach seiner Einführung zwei Drittel der Befragten für eine gute Regelung, nur 14 Prozent sind damit unzufrieden. Den Familienmonitor gibt das Familienministerium jährlich gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Allensbach heraus.

Die Studie stellt auch starke innerfamiliäre Unterschiede in der Aufgabenaufteilung fest. So gaben 70 Prozent der Mütter an, die Hausarbeit weitgehend alleine zu erledigen – gegenüber zwölf Prozent der befragten Väter. Die Väter stehen allerdings nach wie vor unter höherem beruflichem Anforderungsdruck – und machen häufiger Überstunden. Wenn alle Kinderwünsche verwirklicht würden, hätte die Klage über den demografischen Wandel übrigens ein Ende: Die Kinderlosen unter 30 Jahren wünschen sich im Schnitt zwei Kinder.

Nach den Gründen gegen ein Kind gefragt, antworteten 40 Prozent der Kinderlosen unter 50 Jahren, noch nicht den passenden Partner gefunden zu haben. Fast ebenso viele fühlen sich zu jung, 34 Prozent befürchten weniger Freiräume für sich. Erst an vierter Stelle nannten die Befragten als Grund für Kinderlosigkeit berufliche Unsicherheit. Und erst jeder Fünfte gibt finanzielle Gründe an. Ein schmaler Geldbeutel ist aber nicht mehr so häufig ein Grund gegen das Kinderkriegen wie noch im Jahr 2003. Damals hatten sogar 47 Prozent der Kinderlosen finanzielle Belastungen als Grund gegen ein Kind angeführt.

Kinderkriegen wird aufgeschoben

Der Familienmonitor bestätigt die Entwicklung, das Kinderkriegen aufzuschieben. Hatte im Jahr 1995 noch etwa jede zweite Frau bis zum 30. Lebensjahr mindestens ein Kind, sind es aktuell nur 29 Prozent. Familienministerin Schröder kündigte an, mit dem geplanten Großelterngeld und Erleichterungen für die Anstellung von Haushaltshilfen mehr für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf tun zu wollen. Mit Blick auf die Bundesratsinitiative für eine Frauenquote in Unternehmen sagte sie: „Die Vereinbarkeit ist für die Gleichstellung der Frauen wesentlich wichtiger, als die Frauenquote in den Aufsichträten.“