Versicherungen

Wenn Kleinkinder Schäden verursachen

Mein dreijähriger Sohn hat bei einer Freundin eine Steckdose kaputt gemacht.

Wer muss für den Schaden aufkommen? Meine Haftpflichtpolice zahlt erst für Kinder ab sieben Jahren.

Solche Schäden sind für Eltern immer unangenehm. Denn oft sind es Freunde oder Nachbarn, die von den Sprösslingen geschädigt werden. Kinder stehen unter dem besonderen Schutz des Gesetzes, manchmal zum Leidwesen eines Geschädigten. Kinder unter sieben Jahren (im Straßenverkehr bis zu zehn Jahren) sind geschäftsunfähig und haften nach dem Gesetz in keinem Fall. Die zusätzliche Haftungsbefreiung gilt nicht, wenn das Kind einen Schaden vorsätzlich verursacht hat.

Wenn aber das Kind nicht haftet, stellt sich meist sofort die Frage, ob die Eltern dann haften müssen. Klare Antwort: Eltern haften nicht immer automatisch, wenn ihr Kind Schaden verursacht. Sie haften nur dann, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. In vielen Fällen liegt diese Aufsichtspflichtverletzung aber nicht vor, weil man Kinder nicht ständig an der Hand halten kann. Kinder sollen sich entwickeln können, auch wenn dabei mal etwas zu Bruch geht. Das ist keine Schikane der Versicherer, so will es das Bürgerliche Gesetzbuch. Dennoch fühlen sich Eltern oft moralisch verpflichtet, für den Schaden aufzukommen.

Aber es gibt Lösungen, die helfen können: Einige Privat-Haftpflichtversicherer zahlen einen Schaden auch dann, wenn keine Haftung des Kindes und keine Aufsichtspflichtverletzung der Eltern vorliegt. Darauf sollten Eltern kleiner Kindern achten, wenn sie eine Haftpflichtversicherung abschließen. Bestehende Verträge können meist gegen geringen Aufschlag erweitert werden – und Freundschaften bleiben erhalten.

Thorsten Rudnik , Vorstand Bund der Versicherten