Insolvenz

Insolvente Schuhkette Leiser von Seibel-Gruppe übernommen

Die traditionsreiche Schuhhandelskette Leiser ist erfolgreich aus der Insolvenz herausgekommen.

Die Josef-Seibel-Gruppe aus Rheinland-Pfalz, die seit 2010 49 Prozent an Leiser und der Schwestermarke Schuhof gehalten hat, übernahm im Zuge des Insolvenzplanverfahrens die Anteile der Eigentümerfamilie Bahner, die den Sitz der 1891 in Berlin gegründeten Firma nach Augsburg verlegt hatten. In den 1970-er und 80-er Jahren war Leiser mit seinen im Laufe der Zeit übernommenen weiteren Marken der größte Schuh-Einzelhändler im Westteil von Berlin.

34 Filialen wurden geschlossen

Nach Angaben des Sachwalters in dem Insolvenzplanverfahren, des Rechtsanwaltes Arndt Gleiwitz, sei es gelungen, 900 der vor der Insolvenz im März diesen Jahres 1350 Arbeitsplätze zu erhalten. 34 unrentable Filialen seien geschlossen worden, so dass die Gruppe nun noch 100 Märkte betreibt.

In Berlin hat Leiser drei seiner 21 Läden aufgeben müssen, zwei in den Neuköllner Gropius-Passagen und im Marzahner Einkaufszentrum Eastgate. Auch zwei der zehn Schuhhof-Filialen mussten dicht machen. Außerdem wickelte das Unternehmen seinen zweiten Verwaltungssitz in der Hauptstadt ab und verlegte alle Zentralfunktionen nach Augsburg in Bayern. Über das Schicksal des Outlet-Centers an der Neuköllner Grenzallee ist bislang noch nicht entschieden. In Berlin werden 90 bis 100 Beschäftigte ihren Job verlieren, das entspricht jeder vierten Stelle.

Die Beteiligten werten den Ausgang des Verfahrens dennoch als Erfolg. Leiser war als erstes größeres Unternehmen in Deutschland nach dem neuen Insolvenzrecht unter Beteiligung des eigenen Managements neu strukturiert worden. Hierbei steht nicht die Verwertung des Vermögens durch die Gläubiger im Mittelpunkt, sondern der Erhalt des Unternehmens. Leiser wird nicht nur erhalten, sondern hat sich im Laufe der Insolvenz auch erneuert.

Ende August eröffnete das Unternehmen auf der Zeil, der bekannten Haupteinkaufsstraße in Frankfurt am Main, auf 3000 Quadratmetern einen neuen „Flaggship-Store“. Dabei wurde auch ein neuer Firmenschriftzug präsentiert. Statt der althergebrachten Farbe Rot und der bauchigen Schrift zeigt sich Leiser dort in schlanken Goldlettern.

Diese Farbe soll aber nur in Frankfurt glänzen. In Berlin bleibe Leiser wie bisher rot, sagte Geschäftsführer Steffen Liebich, die neue Schrifttype werde allerdings übernommen – eine Mischung also aus Tradition und neuem Image. Sukzessive sollen alle Leiser-Filialen entsprechend erneuert werden. Den Anfang macht im Jahr 2013 das Geschäft an der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg. Berlin bleibe ein Fundament der Gruppe, die hier laut Geschäftsführer Liebich 60 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftet, der zuletzt pro Jahr bei rund 200 Millionen Euro lag.