Umbau

Lufthansa bekommt einen kleinen Kranich

90 Flugzeuge der Airline sollen künftig beim Billigflieger Germanwings eingesetzt werden. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO ist verärgert

Die Lufthansa baut ihr seit langem defizitäres Direktfluggeschäft um. Künftig sollen 90 Flugzeuge unter dem Dach der Billigfluggesellschaft Germanwings unterwegs sein. Diese überraschende Entscheidung des Konzernvorstands hat bei der Gewerkschaft der Flugbegleiter UFO für großen Unmut gesorgt und gefährdet die noch nicht einmal begonnene Schlichtung im Tarifkonflikt zwischen UFO und dem Lufthansa-Management. „Da werden vom Vorstand ein paar Tage vor dem Beginn der Schlichtung noch Tatsachen geschaffen und Öl ins Feuer gegossen“, sagte UFO-Chef Nicoley Baublies der Berliner Morgenpost. Die Kollegen seien verunsichert. „In unseren Foren ist die Hölle los.“

Bislang hat es noch keine direkten Gespräche gegeben mit dem Schlichter Bert Rürup, der Flugbegleitergewerkschaft UFO und dem Management der Lufthansa. Diese sollten in Kürze beginnen. Dabei geht es allerdings nur um die Gehaltsforderungen der Gewerkschaft. In einem sogenannten Parallelprozess wollten Arbeitgeber und Gewerkschaft zudem über Arbeitszeit, Pensionsansprüche und die Höhe von Zuschlägen sprechen. Die angekündigte Ausgründung wird Baublies zufolge Thema der Gespräche sein, die UFO und Lufthansa parallel zur vereinbarten Schlichtung führen. „Es ist unser erklärtes Ziel, gerade eine Ausgründung zu verhindern.“ Eine Einigung in den parallelen Gesprächen sei „Kondition für die Annahmen des Schlichtungsergebnisses“, betonte er.

Die neue Gesellschaft soll im ersten Jahr mehr als 18 Millionen Passagiere befördern. Wie die Airline künftig heißen wird, ist noch nicht entschieden. Derzeit arbeiten bei Germanwings rund 800 Mitarbeiter in der Kabine, rund zusätzliche 1200 Stellen für Kabinenpersonal werden nun aus dem Lufthansa-Konzern in die am Kölner Flughafen sitzende Germanwings verlagert. Ob dann tatsächlich auch so viele Mitarbeiter zu Germanwings wechseln, ist allerdings fraglich. Denn die meisten Flugbegleiter fliegen sowohl Kurz- wie auch Langstrecken, eine spezielle Belegschaft für Direktverkehre gibt es also nicht. Offiziell sind laut Lufthansa bei Germanwings die Lohnkosten für das Kabinenpersonal um rund 20 Prozent niedriger. Sie liegen aber pro Blockstunde immer noch um fünf Euro höher als beim Konkurrenten Air Berlin.

Nach Angaben von UFO-Chef Baublies sind die Gehaltsunterschiede zur Lufthansa aber noch viel gravierender. So werde bei Germanwings länger geflogen und es gebe weniger Zulagen, sodass der Gehaltsunterschied bis zu 40 Prozent betragen könne. Germanwings fliegt auch deswegen günstiger, weil das Durchschnittsalter in der Kabine unter 30 Jahren liegt, denn die Airline ist vor zehn Jahren komplett neu, also auch mit neuem Personal, gestartet worden. Die Gehälter der Flugbegleiter bei der Lufthansa-Classic werden dagegen mit zunehmenden Alter automatisch 17 Jahre lang erhöht.

Die Lufthansa erhofft sich von der Ausgliederung ihrer innerdeutschen und europäischen Direktverbindungen in die neue Tochter „erhebliche Effizienzpotenziale“, wie Vorstandschef Christoph Franz sagte. Mit der neuen Gesellschaft biete die Lufthansa ihren Gästen auch außerhalb von Frankfurt und München weiter ein dichtes und hochwertiges Streckennetz. „Unsere Mitarbeiter in diesen Bereichen haben die Perspektive auf sichere Arbeitsplätze in einem Unternehmen der Lufthansa Gruppe“, sagte Franz zur Begründung weiter. Wer künftig die neue Direkttochter leiten soll, ist jedoch noch nicht entschieden. Chef der Germanwings ist seit 2006 Thomas Winkelmann, dem gute Chancen nachgesagt werden.

Analysten und Anleger zufrieden

Die Anleger zeigten sich erfreut über den Entschluss des Vorstands. Die Papiere der Fluggesellschaft lagen zeitweise um 1,6 Prozent im Plus, während der Dax insgesamt niedriger notierte. „Wir begrüßen die neue Billigfluglinie“, sagte Analyst Jochen Rothenbacher von Equinet. Denn diese habe das Potenzial, die Kosten deutlich zu senken.

Grünes Licht gab der Aufsichtsrat auch für den 2013 geplanten Wechsel an der Spitze des Gremiums. Nachfolger des ehemaligen Lufthansavorstandschefs Jürgen Weber soll der Vorgänger des derzeitigen Konzernchefs Christoph Franz, Wolfgang Mayrhuber, werden. Dies habe der zuständige Nominierungsausschuss so dem Aufsichtsrat empfohlen, hieß es.

Auch dem Bau eines neuen Logistikzentrums in Frankfurt am Main steht nun nichts mehr im Weg. Dieses soll das 30 Jahre alte Gebäude ersetzen und 2018 in Betrieb genommen werden. Frankfurt bleibe trotz des Nachtflugverbots das zentrale Drehkreuz für das Frachtgeschäft des Konzerns, betonte Vorstandschef Franz. Das Hauptgebäude des neuen Zentrums soll ab 2014 gebaut werden. Das Luftfrachtterminal werde auf bereits genutzten Flächen errichtet, hieß es. In den kommenden Monaten werde zunächst das Baufeld geräumt. Das neue Zentrum werde parallel zum laufenden Betrieb gebaut. Die Investitionssumme liege im mittleren dreistelligen Millionenbereich.