Kraftwerksbetreiber

Vattenfall räumt Atomkraft wieder mehr Bedeutung ein

Energiekonzern gibt sich eine neue Struktur. Berliner Tochter ist jetzt nur noch eine GmbH

– Der größte schwedische Energiekonzern Vattenfall AB stellt sich völlig neu auf. Konzernchef Øystein Løseth verkündete heute in Stockholm weitreichende Änderungen in der Unternehmensstruktur. Am Dienstag hatte er bereits die Berliner Deutschland-Tochter Vattenfall Europe per Eintrag ins Handelsregister in eine „GmbH“ umwandeln lassen. Der drittgrößte Kraftwerksbetreiber in Deutschland ist damit keine Aktiengesellschaft mehr: Der bisherige Vorstandschef Tuomo Hatakka der wichtigen Deutschland-Tochter des Konzerns trägt seit heute nur noch den Titel „Vorsitzender der Geschäftsführung.“

Neuer Chef für Pannenmeiler

Im Gesamtkonzern ist Deutschland-Chef Hatakka weiterhin für die Erzeugungssparte zuständig: Diese Doppelfunktion bleibt. Doch nach der am Mittwoch verkündeten Umstrukturierung wird die Erzeugungssparte von Vattenfall neu sortiert: Hatakka verliert dabei den Bereich Kernenergie, der künftig von Stockholm aus geführt wird. Die Nuklear-Sparte wird zugleich von einer nachgeordneten „Business Unit“ zu einer eigenständigen „Business Division“ aufgewertet

Für Probleme rund um die stillgelegten deutschen Pannenmeiler Krümmel und Brunsbüttel ist damit künftig der Schwede Torbjörn Wahlborg verantwortlich, der zum Chef der neue gegründeten „Business Division Nuclear“ ernannt wurde. Dazu gehört auch die Schadenersatzklage, die Vattenfall gegen die Bundesregierung angestrengt hatte, weil diese nach dem Fukushima-Unglück im vergangenen Jahr den deutschen Atomkraftwerken von Vattenfall entschädigungslos die Betriebsgenehmigung entzogen hatte. Die neue Division muss sich auch mit dem anstehenden Rückbau der deutschen Vattenfall-Kernkraftwerke beschäftigen. Auch für eventuell anstehende AKW-Ersatzbauten in Schweden wird Wahlborg verantwortlich sein.

„Vattenfall möchte der Atomkraft die ganz spezielle Aufmerksamkeit geben, die der Bereich erfordert“, sagte Konzernchef Løseth. „Die neue Organisation hat zur Folge, dass die Business Division Nuclear künftig volle Verantwortung für die gesamte Prozesskette trägt, was die höchsten operativen Sicherheits- und Qualitätsstandards garantiert.“ Dennoch wird durch die Verselbstständigung der Nuklear-Sparte der Kompetenzbereich des Erzeugungschefs Hatakka nicht kleiner: Er wird neben seiner bestehenden Verantwortung für Wasserkraft-, Gas-, Braun- und Steinkohlekraftwerke in Zukunft auch das Thema Windkraft an Land und auf See übernehmen. Die bisherige Business Division für Erneuerbare Energie („Renewables“) wird dafür aufgelöst.

Schwerpunkt erneuerbare Energie

Hatakka wird damit neben dem Chef der Division „Sustainable Asset Management“, die vom hisherigen Finanzvorstand Peter Smink geleitet wird, für die wichtigsten Zukunftsthemen bei Vattenfall zuständig sein. Denn der Konzern hat bereits angekündigt, künftig fast ausschließlich in erneuerbare Energien zu investieren. „Wir haben die Ambition, eine aktive Rolle bei der Transformation des europäischen Energiesystems zu spielen“, betonte Løseth bei der Präsentation der neuen Konzernstruktur: „Vattenfalls Wachstums-Investitionen werden sich deshalb in Zukunft auf erneuerbare Energien konzentrieren.“