Marktbericht

Japan druckt mit

Holger Zschäpitz über die Zeitenwende in der Geldpolitik

Die Bank of Japan folgt dem Beispiel der Europäischen Zentralbank (EZB) und anderen Zentralbanken und wirft die Notenpresse an. Angesichts des starken Yen, des Konjunktureinbruchs in der Eurozone sowie einer Stagnation im eigenen Land beschloss der Rat der japanischen Notenbank, die Wertpapierkäufe um zehn Billionen Yen (rund 100 Milliarden Euro) auszuweiten und das begonnene Kaufprogramm bis Dezember 2013 zu verlängern. Das Gesamtvolumen der Wertpapierkäufe steigt damit markant an. In jüngster Zeit trübte sich der Ausblick für die japanische Wirtschaft ein. Angesichts sinkender Exporte senkte die Bank of Japan auch ihre Konjunkturprognose. Außerdem zeigen die Verbraucherpreise weiter nach unten. Die Währungshüter haben ihr Ziel, den Preisverfall zu beenden, bisher noch nicht erreicht. Der deutliche Schritt kam für die Märkte überraschend. Entsprechend positiv reagierten die Akteure auf die zusätzlichen Geldspritzen. Der Nikkei-Index schloss auf dem höchsten Stand seit Anfang Mai. Der Anstieg war umso bemerkenswerter, als die Tokioter Börse unter dem Insel-Disput mit China leidet. Tatsächlich setzen nun alle großen Zentralbanken der westlichen Industriestaaten bei der Krisenbekämpfung auf die Notenpresse. Indem sie den Geschäftsbanken Aktiva wie Anleihen abkaufen, bringen sie Liquidität in Umlauf und weiten die Geldmenge aus. Die Notenbanken betreten neues Territorium. Nicht wenige sehen darin ein letztes Aufbäumen des Westens, dessen wirtschaftliche Dominanz sich dem Ende neigt.