Krankenkassen

Techniker Krankenkasse zahlt Prämie

Die Versicherung will ihren Mitgliedern bis zu 120 Euro zahlen und hofft, so neue Kunden anzulocken

Als bisher größte Krankenkasse will die Techniker ihren gut sechs Millionen Mitgliedern eine Prämie ausschütten. Vorstandschef Jens Baas deutete einen Betrag zwischen 60 und 120 Euro an. Die genaue Summe und die Einzelheiten soll der Verwaltungsrat der Kasse Mitte Oktober beschließen. Wer bis zum 1. Januar zur Techniker Krankenkasse (TK) wechsle und ein Jahr bleibe, bekomme die volle Prämie, sagte Baas.

Der Schritt ist ein Signal an die anderen Krankenkassen. Bisher schütten nur etwa ein Dutzend kleine Kassen Prämien aus. Die Techniker ist nach der Barmer GEK die zweitgrößte. Die Konkurrenz werde nicht erfreut sein, sagte Baas. Er hoffe auf viele neue Mitglieder: „Wenn wir so viel Geld ausgeben, soll das einen Effekt am Markt haben.“ Von denen, die ohnehin ihre Kasse wechseln wollten, werde ein großer Teil zur TK kommen.

Für Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) ist die Entscheidung der TK ein Erfolg. Seit Monaten fordert er alle Kassen dazu auf, Prämien an ihre Mitglieder auszuschütten. Entsprechend lobte Bahr den Schritt der Techniker und fügte hinzu: „Ich gehe davon aus, dass in den Vorstandsetagen auch anderer Krankenkassen jetzt der Druck größer wird, zu rechtfertigen, warum soviel Geld auf den Konten ist.“ Ähnlich äußerten sich andere Gesundheitspolitiker der schwarz-gelben Koalition. Den Beitragssatzes zur Krankenversicherung allgemein zu senken, lehnt Bahr weiterhin ab. Das Geld sollte „nicht mit dem Kübel ausgeschüttet“ werden, sagte er.

Wegen der guten Konjunktur und des hohen einheitlichen Beitragssatzes von 15,5 Prozent schwimmt die gesetzliche Krankenversicherung im Geld. Insgesamt horten die Kassen weit mehr als zehn Milliarden Euro, die sie ausschütten könnten. Allein die TK hat Reserven von mehr als drei Milliarden Euro gesammelt. Als Grund dafür nannte Baas, dass die Kasse „deutlich unternehmerischer handele“ als andere Krankenkassen und eine effizientere Verwaltung habe.

AOK spricht von Fangprämie

Der Aufforderung des Bundesversicherungsamts, das Geld an die Mitglieder auszuschütten, hatte sich die TK bisher widersetzt. Inzwischen sei aber „die Maximalrücklage“ erreicht, sagte Vorstandschef Baas. Ihm bleibe keine andere Wahl mehr, auch wenn er die Rücklagen gern für schlechtere Zeiten aufgespart hätte. Nun wolle man die Auszahlung mit Empfehlungen verbinden, wie die Mitglieder das Geld ausgegeben sollen, etwa für eine Zahnreinigung oder Fitnesskurse.

Beim Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen hieß es, jede einzelne Krankenkasse entscheide selbst, „ob sie einen Zusatzbeitrag nimmt, eine Prämie auszahlt oder keines von beidem macht“. Ein Sprecher des Marktführers Barmer GEK sagte: „Uns ist ein attraktives Leistungsportfolio wichtiger als eine verhältnismäßig geringe Prämienausschüttung, die die Versicherten auch noch versteuern müssten.“ Der Chef des AOK-Bundesverbands, Jürgen Graalmann bezeichnete die Ausschüttung der TK als „Fangprämie für Neukunden“.

Insgesamt wird die TK die Ausschüttung zwischen 360 und 720 Millionen Euro kosten. Profitieren können nur zahlende Mitglieder, nicht die kostenlos mitversicherten Familienangehörigen. Das Geld soll per Scheck oder Überweisung ausgezahlt werden. Allerdings müssen die Kassenmitglieder die Prämie versteuern: Die ausgezahlte Summe wird auf den Jahresbeitrag für die Krankenkasse angerechnet, der in der Steuererklärung als steuermindernd angegeben werden kann.