Unternehmen

DIHK erwartet Negativrekord bei Gründungen

So wenige neue Betriebe wie zuletzt vor Wiedervereinigung

In Deutschland erlahmt der Gründergeist: Im ersten Halbjahr wurden nur 198.100 Unternehmen gegründet. Das waren 11,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass 2012 so wenige neue Betriebe entstehen wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. „Wir rechnen mit weniger als 400.000 Neugründungen“, sagte DIHK-Experte Marc Evers. „Das wäre ein Negativrekord.“

Der DIHK beobachtet seit Langem das Phänomen, dass in wirtschaftlich schlechten Zeiten mehr Unternehmen gegründet werden, weil viele Erwerbstätige aus Angst vor Arbeitslosigkeit den Sprung in die Selbstständigkeit wagen. Umgekehrt wird in besseren Zeiten das sichere Angestelltendasein dem Sprung in die Selbstständigkeit vorgezogen – zumal Hochqualifizierte in Zeiten des Fachkräftemangels im Gehaltspoker gute Karten haben. Den Negativtrend führt der DIHK aber auch darauf zurück, dass Arbeitslose seit Jahresbeginn keinen Rechtsanspruch mehr auf einen Gründerzuschuss von der Bundesagentur für Arbeit haben. „Die Zahl der geförderten Gründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus ist deshalb um 81 Prozent gefallen“, sagte Evers.

Chancen für Gründer sieht der DIHK vor allem bei unternehmensnahen Dienstleistungen. „Viele Unternehmen lagern Leistungen wie etwa die IT-Pflege aus und kaufen sie am Markt zu“, sagte Evers. Auch im Online-Handel und in den Bereichen Umwelttechnik, Energieeffizienz und erneuerbare Energien sieht der DIHK gute Zukunftschancen.

Von Januar bis Juni wurden rund 70.000 Betriebe neu gegründet, deren Rechtsform und Beschäftigtenzahl auf eine größere wirtschaftliche Bedeutung schließen lassen. Das war ein Rückgang von 6,1 Prozent. Die Zahl gegründeter Kleinunternehmen ging sogar um 14,2 Prozent auf 128.000. Gegen den Trend nahm die Zahl der Gründungen von Nebenerwerbsbetrieben um 0,8 Prozent auf knapp 123.000 zu.