Smartphone

„One more thing“ – ein neuer Stecker

Das iPhone 5 ist eine solide Weiterentwicklung mit großem Ärger-Potenzial für Altkunden

Wie das iPhone 5 sich im Detail gegen Konkurrenzprodukte wie das Galaxy S3 von Samsung oder die Geräte von HTC, Sony, Motorola und Nokia behaupten wird, werden erst ausführliche Tests zeigen. Einen ersten Eindruck konnten sich Journalisten nach der Vorstellung des neuen iPhone in San Francisco und in London verschaffen. Ein Überblick:

Dünner und leichter Die Apple-Entwickler haben das grundlegende Design kaum verändert. Dafür machten sie das iPhone 5 fast 20 Prozent dünner und leichter als den Vorgänger. Die Rückseite des neuen iPhones ist nun aus Aluminium. Obwohl das Gerät nicht breiter und weniger als ein Zentimeter länger geworden ist, misst das Display nun vier statt dreieinhalb Zoll. Entwickler müsse ihre Anwendungen nun schleunigst für die neuen Maße anpassen, wenn sie nicht wollen, dass ihre Apps mit Letterboxen dargestellt werden, wie man sie vom Fernsehbildschirm kennt.

Anwendungen optimiert Apple selbst hat seine eigenen Anwendungen bereits optimiert, darunter Keynote, Pages, Numbers, iPhoto, iMovie und Garage Band. Bislang hatte das Display ein Seitenverhältnis von 3:2. Mit der neuen Größe sind es 1136 mal 640 Pixel, die auf dem Screen dargestellt werden, was einem Verhältnis von 16:9 entspricht. Viele Filme werden in diesem Format gedreht, sodass man auf dem iPhone 5 deutlich mehr davon sieht als auf dem Vorgängermodell.

Prozessor Im Inneren des iPhone 5 arbeitet nun ein neuer Chip, den Apple A6 nennt. Er soll das Handy doppelt so schnell machen, was auch für die Grafik gilt. In einem ersten Kurztest der Morgenpost öffneten sich die Anwendungen zügig. Allerdings war dies auch beim iPhone 4S mit seinem A5-Chip der Fall. Erst ein ausführlicher Test wird zeigen, ob sich die Geschwindigkeit des A6 wirklich im Alltagsgebrauch bemerkbar macht.

Schneller in Mobilfunknetzen Deutlich schneller wird das neue iPhone in jedem Fall in den Mobilfunknetzen. Es unterstützt nun die vierte Generation der Funktechnologie LTE (Long Term Evolution). Anders als beim iPad 3 soll LTE auf dem iPhone auch außerhalb Nordamerikas funktionieren. Zwar nennt Apple auch Länder in Asien und Europa, wo sich das iPhone 5 in LTE-Netze einbuchen können soll. Doch in Deutschland hat das einen Schönheitsfehler: Es funktioniert vorerst nur bei der Deutschen Telekom (siehe Kasten). Tatsächlich nutzt LTE je nach Land und Regionen unterschiedliche Frequenzen. Derzeit gibt es keinen Chip, der all diese Frequenzbänder beherrscht. Der Marktforscher IDC spricht von 36 unterschiedlichen LTE-Bändern weltweit. In Deutschland bauen die Mobilfunker Telekom, Vodafone und Telefónica ihre LTE-Netze auf den Frequenzen 800, 1800 und 2600 Megahertz aus. In ländlichen Regionen in Deutschland sind es ausschließlich 800 Megahertz, auf denen der schnelle Mobilfunk derzeit stattfindet.

Kamera An der Auflösung der iPhone-Kamera hat Apple nichts verändert. Sie beträgt nach wie vor acht Megapixel, was inzwischen Standard in einem Smartphone ist. Doch im Zusammenspiel mit der Software und dem neuen A6-Chip sollen die Fotos deutlich besser werden, vor allem in lichtarmer Umgebung. Endlich gibt es für das iPhone auch eine Panoramafoto-Funktion, die breite Fotos mit bis zu 28 Megapixel macht. Bislang war das nur mit Anwendungen möglich, die aus dem AppStore geladen werden müssen.

Software Viele neue Funktionen des iPhone 5 sind der Software und nicht der Hardware zuzuschreiben, sodass auch ältere iPhones damit nachgerüstet werden können. Ab dem 19. September steht die nächste und damit sechste Version des Betriebssystems iOS für mobile Apple-Geräte zur Verfügung. iOS6 bringt eine stärkere Twitter- und Facebook-Integration in das Smartphone und eine neue Kartenanwendung mit Straßennavigation und Sprachausgabe, für die das bisher verwendete GoogleMaps Platz machen muss.

Browser und Siri Ein neuer Safari-Internetbrowser merkt sich die geöffneten Seiten und stellt sie über die iCloud auch auf dem Computer zur Verfügung. Und der digitale Sprachassistent Siri beantwortet künftig mehr Fragen als bisher, auch zu den Fußballergebnissen der Bundesliga. Außerdem können über Siri nun auch Facebook-Einträge diktiert werden. Siri wird künftig auch auf dem iPad 3 zur Verfügung stehen. Und nicht zuletzt bringt iOS6 Apples Videotelefonie Facetime in die Mobilfunknetze. Bislang waren Facetime-Gespräche nur in WLAN-Netzen möglich.

Kopfhörer Apple bringt nach drei Jahren Entwicklung neue Ohrhörer auf den Markt. Sie sollen besser klingen und sehen futuristisch aus.

Anschluss Der Wechsel zu einem neuen Anschluss-System 5 dürfte viele Nutzer verärgern – laut Apple gab es jedoch keine Alternative dazu. Man hätte das Telefon mit dem bisherigen Anschluss nicht so dünn machen können, sagte Marketingchef Phil Schiller. Apple wechselte mit dem neuen iPhone von dem seit fast einem Jahrzehnt verwendeten breiten Anschluss mit 30 Kontakten zu einer kleineren Version mit dem Namen „Lightning“ (Blitz). Das wird für viele Nutzer Unannehmlichkeiten bedeuten: Die Kabel früherer Ladegeräte passen genauso wenig wie die Anschlüsse von Weckern oder Lautsprechern mit iPhone-Docks. Apple bietet zwar einen Adapter an, doch er kostet 29 Euro und ist relativ klobig. Schiller versprach zugleich, dass der neue Anschluss für „viele Jahre“ bleiben werde.

Vorbestellungen Wie sehr Apple seine Logistik optimiert hat, zeigt der Konzern mit dem neuen iPhone. Das Gerät lässt sich ab Freitag vorbestellen – und wird schon nächste Woche in mehreren Ländern, darunter auch Deutschland, ausgeliefert. Eine Woche später kommen schon 20 weitere Länder hinzu. Bis zum Jahresende will Apple das iPhone 5 in mehr als 100 Ländern über 240 Mobilfunker verkaufen. Nie zuvor hat Apple sein Smartphone so schnell in den Markt bekommen. Das ist zugleich eine Ohrfeige für Apples Konkurrenten, darunter Nokia und Samsung, die in den vergangenen Wochen zwar neue Geräte präsentiert haben, aber keinen Termin für den Marktstart nennen konnten. Apple wird mit dem iPhone 5 schon im wichtigen Weihnachtsgeschäft seinen Marktanteil ausweiten können – und hat damit den Grundstein für kommende Rekordquartale gelegt.