Handel

Trotz Skandalen: Verbraucher fühlen sich gut informiert

Studie zeigt gestiegenes Vertrauen beim Einkauf

Da können sich die Verbraucherminister ja bequem zurücklehnen. Pünktlich zum Start ihrer Herbstkonferenz in Hamburg präsentiert Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) ihren Länderkollegen ein Gutachten des Beratungsunternehmens Prognos zur „Lage der Verbraucher in Deutschland“. Es ist die bislang umfassendste Untersuchung dieser Art, und das Ergebnis schmeichelt der Politik: 76 Prozent der Verbraucher fühlen sich beim Einkauf in der Regel gut informiert.

Das Vertrauen der Verbraucher in die Märkte ist also größer als das Misstrauen – trotz immer wiederkehrender Skandale: Gammelfleisch, Dioxin in Eiern oder EHEC-Epidemie. Aigner wertet die Studie denn auch als Beleg für eine „erfolgreiche Verbraucherpolitik“. Doch bei genauerer Betrachtung der Ergebnisse zeigt sich, dass es für die Verbraucherminister von Bund und Ländern noch viel zu tun gibt. So haben sich mehr als die Hälfte der befragten Verbraucher bei der Teilnahme an einem telefonischen Gewinnspiel hintergangen gefühlt. Auch der Abschluss eines Mobilfunkvertrags und der Wechsel des Gas- oder Stromanbieters sind für viele Verbraucher mit Ärger und zusätzlichen Kosten verbunden, die zunächst nicht absehbar waren.

Einkommensschwache und überschuldete Verbraucher haben dagegen oft nicht einmal ein Girokonto und sind daher von einigen Märkten von vornherein ausgeschlossen. Sie können keine Handyverträge abschließen, und im schlimmsten Fall bekommen sie auch keinen Strom mehr. Aigner will gerade diesem Personenkreis besonders unter die Arme greifen: Allen Verbrauchern müsse unabhängig von ihrer sozialen oder ökonomischen Situation oder ihrem Bildungsstand ein selbstbestimmtes Handeln ermöglicht werden. Die Studie analysiert das Verhalten der Verbraucher in den sechs Konsumbereichen Finanzen und Versicherungen, Medien und Telekommunikation, Energie, Gesundheits- und Pflegemärkte, Mobilität sowie Güter des täglichen Bedarfs – zu denen etwa auch Kinderspielzeug gehört. Die Studie bewertet vor allem den zunehmenden Vertrieb von Kinderspielzeug über das Internet als „kritisch“. Die Verbraucher seien oft überfordert, die tatsächlichen Risiken durch gesundheitsgefährdende Stoffe richtig einzuschätzen.

Mehr als 86 Prozent der Spielzeugimporte aus Drittländern in die EU kamen allein im Jahr 2009 aus China, wo längst nicht so strenge Vorschriften für die Hersteller gelten wie in der EU. Es sollte daher auf „die vermehrte Prüfung im Rahmen unabhängiger Qualitätssiegel für Spielzeuge geachtet werden“, heißt es in dem Gutachten. Es bleibt also trotz der insgesamt positiven Ergebnisse des Gutachtens für die Verbraucherminister von Bund und Ländern noch genug zu tun. Auf ihrer zweitägigen Herbstkonferenz wollen sie unter anderem über eine Obergrenze von Zinsen für Dispo-Kredite.