Neuer Sitz

Technologiekonzern Corning will in Berlin expandieren

Zunächst einmal sind es nur 30 Leute, die ihren neuen Arbeitsplatz im Technologiepark Adlershof beziehen werden.

Doch der US-Technologiekonzern Corning hat mehr vor. „Hier gibt es Möglichkeiten zu wachsen“, sagte Clark Kinlin. Er ist Vorstand von Corning, trägt den Titel „Vice President“ und kümmert sich um das zweitwichtigste Geschäftsfeld, die Telekommunikation. Dafür wird Corning in Adlershof ein Entwicklungszentrum aufbauen. Neben Büro- und Laborräumen, die die Amerikaner bereits gemietet haben, entsteht eine Pilotfertigung.

Corning entwickelt und produziert unter anderem Glasfaserkabel, unverzichtbar für die Datenübertragung. Zu den Kunden zählen Konzerne wie die Deutsche Telekom. An der Glasfasertechnologie soll auch in Adlershof geforscht werden. Erste Kooperationen mit den Berliner Forschern der Bundesanstalt für Materialwirtschaft (BAM) sind bereits verabredet.

Mit dem Adlershofer Forschungszentrum konzentriert Corning seine Entwicklungsaktivitäten in Deutschland an einem Standort. Neben Berlin sind die Amerikaner auch in Hagen, Kaiserslautern und München aktiv. München, deutet Kinlin an, wäre wohl auch infrage gekommen. Doch in Berlin sei die Flexibilität größer, so Kinlin. Bedeutet: In der bayerischen Hauptstadt mit ihren vielen Unternehmen hätte Corning wohl kaum die Chance gehabt, sich optional Flächen für Expansion zu sichern. In Berlin funktioniert das, denn trotz aller wirtschaftlichen Fortschritte in den vergangenen Jahren hat die Hauptstadt noch viel Luft nach oben.

Klaus Wowereit erhofft sich von der Investition von Corning in Berlin einen „additional boost“, einen zusätzlichen Schub. Berlins Regierender Bürgermeister von der SPD trägt sein Grußwort auf Englisch vor. Er beglückwünscht Corning zur Standortentscheidung, preist die vielen „smart people“, von denen Unternehmen in Berlin profitierten. Corning-Vorstandschef Wendell Weeks glaubt, dass mit dem Adlershofer Entwicklungszentrum Kundenwünsche noch besser bedient werden können.

Corning ist ein Unternehmen mit langer und großer Geschichte. Gegründet 1851, hat es seinen Unternehmenssitz im gleichnamigen Städtchen im US-Bundesstaat New York. Zusammen mit Erfinder Thomas Edison fertigte Corning 1879 die erste Glühbirne. Im Jahr 1970 entwickelten Corning-Forscher das erste Glasfaserkabel. Das größte Geschäft macht der Konzern jedoch mit einer Erfindung aus den 60er-Jahren. Damals wurde ein Verfahren für extrem dünne Glasscheiben entwickelt. Das wiederum ermöglichte Jahrzehnte später das Entstehen von Flachbildschirmen und berührungsempfindlichen Displays, wie sie bei Smartphones zum Einsatz kommen. Heute beliefert Corning alle namhaften Hersteller mit seinen Scheiben, darunter Apple und Samsung.

Weltweit arbeiten für das Unternehmen rund 25.000 Leute, in Deutschland sind es 1000. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr knapp acht Milliarden Dollar (6,2 Milliarden Euro).