Neuer Markt

Hubschrauber statt Flugzeug

EADS-Tochter Eurocopter zeigt auf der ILA den X3. Schon in wenigen Jahren soll er mit herkömmlichen Jets auf der Kurzstrecke konkurrieren

Während die EADS-Flugzeugbautochter auf der Luftfahrtmesse ILA nach Angaben von Airbus-Chef Fabrice Brégier keine Aufträge erwartet, konnte die Hubschraubertochter des Luft- und Raumfahrtkonzerns Mittwoch eine größere Bestellung verbuchen. So orderte der Automobilclub ADAC insgesamt 17 neue Helikopter im Wert von 130 Millionen Euro für seine Luftrettung bei Eurocopter. Zudem will Eurocopter zu EADS-Schwester Airbus in Konkurrenz treten. Ein Hochgeschwindigkeitshubschrauber könnte schon bald eine Alternative zu herkömmlichen Flugzeugen sein.

Die Geschäfte liefen auch ansonsten gut, sagte Eurocopter-Chef Lutz Bertling. „Wir dürften in diesem Jahr vom Umsatz her die Sechs Milliarden Euro-Marke knacken.“ Im Gegensatz zu anderen Bereichen der Wirtschaft zeige die europäische Schuldenkrise bei Eurocopter kaum Auswirkung. „Die zivilen Märkte haben sich stark erholt“, sagte er. „Außerdem machen wir einen großen Teil unseres Geschäfts außerhalb von Europa.“ Als dritten Grund für die gute Auftragslage nannte er den anhaltend hohen Ölpreis: „Liegt er oberhalb von 80 Dollar, investieren die Ölgesellschaften verstärkt in Hubschrauber zur Erkundung neuer Ölfelder.“

Einziger Wermutstropfen sind die Auswirkungen der Krise und der damit verbundenen Sparzwänge auf die europäischen Verteidigungshaushalte. So hatte beispielsweise die Bundeswehr ursprünglich 122 Transporthubschrauber NH-90 bestellt. Nun jedoch will sie nur noch 80 Maschinen nehmen. Bertling verhandelt darüber gerade mit Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU). Der Eurocopter-Chef hat vorgeschlagen, dass die Bundeswehr als Ausgleich für die Reduzierung zehn bis 15 Marinehubschrauber MH-90 abnimmt.

Prognosen zufolge wird der Hubschraubermarkt im nächsten Jahrzehnt vor allem vom zivilen Geschäft dominiert sein. Entsprechend dürfte das militärische Angebot dann vor allem von Zivilhubschraubern beherrscht werden, die auch militärisch genutzt werden können. „Wir haben seit einigen Jahren unsere Investitionen in Forschung und Entwicklung erhöht, um unsere Produktpalette quasi komplett zu erneuern“, erklärt Bertling.

Zu den Innovationen, die Eurocopter auf der diesjährigen ILA präsentiert, gehört der Hochgeschwindigkeitshubschrauber X3: „Das Konzept hat sich als noch positiver erwiesen als erwartet. Er wird mit Sicherheit in die Entwicklung gehen, aber bis er wirklich auf den Markt kommen wird, dürften noch sechs bis sieben Jahre vergehen“, sagt Bertling. „Mit dem X3 wird ein ganz neues Segment entstehen, das es heute noch gar nicht gibt.“ So könnte er beispielsweise für Kurzstrecken als Alternative zu Flugzeugen eingesetzt werden oder im Rettungsdienst. Er ist ein Zwitter aus Hubschrauber und Kleinflugzeug. Nach einem Senkrechtstart kann er von zwei Propellern angetrieben mehr als 400 Kilometer pro Stunde schnell fliegen.

Viele Flughäfen seien schon an der Kapazitätsgrenze und müssten neue Start- und Landebahnen bauen, sagt Bertling. Schließlich gebe es kaum einen Unterschied, ob ein großer Airbus abhebt oder ein Kleinflugzeug. „Der Slot ist weg“, also das Zeitfenster zur Belegung der Startbahn. Genau hier könnte der X3 ansetzen. „Es sind nicht nur Versionen mit acht Passagieren vorstellbar, sondern auch mit 25 oder sogar 50 Passagieren“, sagt Bertling. Verbindungen wie München-Stuttgart oder zu kleineren Flughäfen könnten so effektiv auch von bestehenden Airports abgewickelt werden, ohne die Infrastruktur groß zu ändern.

Auch das Argument, mit einem Helikopter lasse sich nicht leise fliegen, lässt Bertling nicht gelten. Das „Vibrationsmuster“ sei beim X3 unvergleichlich zu anderen Hubschraubern. Die Kurzstrecke in der Luftfahrt, die unter Problemen leidet, könnte, so sieht es Bertling, revolutioniert werden.