Investitionen

Einkaufstour in Ostdeutschland

Berliner Konzern Deutsche Wohnen plant Zukäufe. Bestand wächst auf 100.000 Wohnungen

Der Berliner Immobilienkonzern Deutsche Wohnen will mit weiteren Zukäufen an Größe gewinnen. In drei bis vier Jahren soll das Unternehmen zu den Top-Ten-Werten im Nebenwerteindex MDax gehören, sagte Vorstandschef Michael Zahn am Mittwoch. „Wir wollen die großen Investoren gewinnen, dafür reicht eine Marktkapitalisierung von zwei Milliarden Euro nicht“, sagte der 49-Jährige. Schon jetzt hält das Unternehmen Kurs auf einen Bestand von 100.000 Wohnungen und schickt sich damit an, die schrumpfende Branchenführerin Gagfah vom Thron zu stoßen.

Deutsche Wohnen gilt nach dem Sanierungskurs, den Zahn dem Unternehmen verordnet hatte, als expansionshungrig. Zahn übernahm das Ruder bei Deutsche Wohnen im Dezember 2008 mitten in der Umstrukturierung nach dem Zusammenschluss mit der Gehag-Gruppe – und auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Damals schrieb der Konzern tiefrote Zahlen. Der Volkswirt räumte auf und führte Deutsche Wohnen zurück auf die Erfolgsspur. Ende 2010 folgte der Aufstieg in den MDax.

Mit Deutsche Wohnen geht das zweite große Berliner Immobilienunternehmen auf Einkaufstour. Zuletzt hatte der Berliner Konkurrent GSW angekündigt, die selbst verordnete Beschränkung auf Berlin aufzugeben und deutschlandweit zukaufen zu wollen. Hintergrund sind die stark steigenden Immobilienpreise in Berlin. Verkaufspreise und Mieten waren lange niedrig, was Investoren aus aller Welt in die Stadt. Heute tummeln sich sehr viele Anleger in der Hauptstadt, die Renditen kommen unter Druck. Vor allem klassische Wohnungsgesellschaften weichen daher auf andere Städte aus. Der ehemals Berlin-eigenen GSW gehören über 70.000 Wohnungen, das Unternehmen war im vergangenen Jahr an die Börse gegangen.

Auch Deutsche Wohnen schaut sich jenseits der Metropolen um – vor allem in Ostdeutschland, wo es nach seiner Einschätzung sehr gute Gelegenheiten, aber vergleichsweise wenige Bieter gibt. „Städte wie Dresden, Leipzig und Erfurt sind sehr attraktive Märkte. Wenn die entsprechenden Angebote auf dem Markt sind, werden wir uns sicherlich damit beschäftigen“, sagt Zahn.

In Dresden hat die angeschlagene Konkurrentin Gagfah gerade ihre Tochter Woba mit 38.000 Wohnungen ins Schaufenster gestellt. Der Buchwert liegt bei 1,8 Milliarden Euro. Vorläufige Offerten sind bis Oktober fällig. Zahn bekundete grundsätzliches Interesse. Deutsche Wohnen habe nach der jüngsten Kapitalerhöhung noch rund 500 Millionen Euro für Übernahmen zur Verfügung, davon 200 Millionen Eigenkapital. „Wandelanleihen könnten wir uns in Zukunft gut als Ergänzung zur klassischen Bankfinanzierung vorstellen.“

Deutsche Wohnen hatte im Frühjahr schon bei der milliardenschweren Baubecon-Gruppe von Barclays mit 24.000 Wohnungen zugeschlagen. An der zur Privatisierung stehenden TLG Immobilien ist Deutsche Wohnen dagegen nicht interessiert. Und auch Zahns Interesse an der BayernLB-Tochter GBW mit 32.000 Wohnungen scheint abzukühlen. „Bevor wir in Bieterverfahren gehen, schauen wir uns immer zunächst das Wettbewerbsumfeld an, um Preiserwartungen vorweg zu antizipieren. Erst danach beschäftigen wir uns mit der Qualität der Bestände“, sagte er. Der GBW-Prozess soll offiziell im Herbst starten.

Unter Zahns Führung legte die Deutsche-Wohnen-Aktie 44 Prozent zu, während der Index nur auf ein Plus von 13 Prozent kommt. Als eines der wenigen Unternehmen der Branche notiert Deutsche Wohnen auch über dem Nettovermögenswert (NAV), der Ende Juni bei 11,48 Euro pro Aktie lag: Das Papier kostet deutlich über 13 Euro. Der Optimismus der Investoren dürfte vor allem an den Gewinn- und Dividendenprognosen des Unternehmens liegen. Deutsche Wohnen peilt in diesem Jahr ein operatives Ergebnis von 60 bis 65 (2011: 48) Millionen Euro an. „Die 100 Millionen Euro wollen wir binnen 18 Monaten schaffen. Das volle Ergebnis der Baubecon-Integration werden wir erst 2014 sehen“, sagte Zahn. „Unser Ziel ist es, auch die nächsten beiden Jahre zweistellig zu wachsen.“