Markteinführung

Apple hat das iPhone runderneuert

Der US-Konzern präsentiert die fünfte Version seines Flaggschiffs. Das erste Gerät, das nach dem Tod des Gründers Steve Jobs entwickelt wurde

Apple geht mit dem iPhone 5 in die Offensive am Smartphone-Markt. Das runderneuerte Gerät bekommt wie erwartet einen etwas größeren Bildschirm und ist deutlich dünner und leichter. Es unterstützt auch in Deutschland den schnellen Datenfunk LTE. Damit sind Download-Geschwindigkeiten von bis 100 MBit pro Sekunde möglich – 100 Mal schneller als bei der einfachsten DSL-Leitung im Festnetz. Das Gerät kommt am 21. September auf den Markt. Das Design des Vorgängermodells iPhone 4S bleibt weitgehend erhalten, nur die Rückseite besteht jetzt aus Metall statt Glas. Die durchgesickerten Bilder und Videos der vergangenen Wochen erwiesen sich damit als echt.

Mit 112 Gramm ist das iPhone 5 um ein Fünftel leichter als das Vorgängermodell und mit 7,6 Millimetern um 18 Prozent dünner. Der Bildschirm hat jetzt eine Diagonale von 4 Zoll (10,16 cm) und ein Seitenverhältnis von 16:9 wie bei einem Flachbildfernseher. Mit dieser Größe könne man das iPhone immer noch bequem mit einer Hand bedienen, sagte Apple-Marketingchef Phil Schiller bei der Vorstellung in San Francisco am Mittwoch. Seit der ersten iPhone-Generation betrug die Bildschirm-Diagonale unverändert 3,5 Zoll (8,9 cm), während die Touchscreens fast aller Konkurrenzgeräte immer größer wurden. Die bisherige Preis-Struktur beim iPhone 4S wird übernommen. Dafür werden die beiden Vorgängermodelle 4S und 4 günstiger.

Neues mobiles Betriebssystem

Zusammen mit dem neuen iPhone bringt Apple die nächste Generation seines mobilen Betriebssystems an den Start. Die Software iOS 6 bietet unter anderem verbesserte Navigationsfunktionen und eine vertiefte Integration des Online-Speicherdienstes iCloud. Außerdem integriert ist die neue App Passbook, die ein digitales Portemonnaie etwa für Flugzeugtickets oder Treuekarten bietet. Es wird erwartet, dass Apple auf dieser Basis mit der Zeit auch ein mobiles Bezahlsystem aufbaut. Apple Videotelefonie-Dienst Facetime kann man jetzt auch in Mobilfunk-Netzen nutzen und nicht nur in einem WLAN. Und die Multimedia-Software iTunes bekommt Cloud-Funktionen, damit die Nutzer bei Musik und Videos besser zwischen ihren Geräten wechseln können.

Das iPhone hat seit seiner Markteinführung 2007 die Handy-Branche revolutioniert und das wichtigste Produkt des Konzerns. Apple hat es vom Nischenanbieter zum wertvollsten Unternehmen der Welt mit Bargeldreserven von fast 120 Milliarden Dollar gemacht. Das iPhone 5 ist die erste neue Version seit dem Tod des legendären Apple-Gründers Steve Jobs im vergangenen Oktober und wurde weitgehend unter Regie des neuen Chefs Tim Cook entwickelt. Das Gerät dürfte im bevorstehenden Weihnachtsgeschäft viele Millionen Mal über den Ladentisch gehen. Das Apple -Handy könnte einer Studie zufolge nicht nur dem Konzern, sondern der gesamten US-Wirtschaft zugutekommen. Der erwartete Erfolg könne das Bruttoinlandsprodukt nach Einschätzung von JPMorgan-Chefvolkswirt Michael Feroli im vierten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um 0,25 bis 0,5 Prozentpunkte steigern.

Scharfer Wettbewerb

Apple muss die Nutzer mit dem iPhone 5 unbedingt überzeugen, wenn es seine Position halten will. In den vergangenen Monaten ging der Absatz bisheriger Modelle merklich zurück, weil Kunden auf die nächste Generation warteten. Und im Smartphone-Markt mangelt es nicht an Alternativen wie Samsungs Galaxy S3. Deshalb setzt Apple auf Verbesserungen in allen Bereichen. „Wir haben noch nie ein Produkt mit einer solchen Präzision und einer solchen Verarbeitung gebaut“, sagte Designchef Jonathan Ive in einer Videoeinspielung.

Die erneuerte Kamera behält die bisherige Auflösung von 8 Megapixeln, soll aber besser mit schlechten Lichtverhältnissen umgehen können. Das hatte vergangene Woche auch Nokia bei der Vorstellung seines neuen Top-Modells Lumia 920 versprochen. Der Prozessor arbeitet schneller, unter anderem bei der Verarbeitung von Bildern. Die Möglichkeit, Panorama-Aufnahmen zu machen, gehört jetzt zu den Grundfunktionen. Schiller demonstrierte dies mit einem Panorama-Foto der Golden Gate Bridge in San Francisco mit einer Auflösung von 28 Megapixeln. Die Zeit des bisherigen breiten Apple-Steckers für die Verbindung zu einem Computer oder anderen Geräten wie Wecker mit iPhone-Dock ist abgelaufen. Er wird durch einen kleineren digitalen Anschluss ersetzt, es wird aber einen Adapter geben.

Der Wettbewerb im Smartphone-Markt wird immer schärfer. Marktführer ist Samsung mit seiner Vielzahl an Computer-Handys in verschiedenen Preisklassen. Im Herbst will zudem der einstige Branchenprimus Nokia ein Comeback mit dem neuen Betriebssystem Windows Phone 8 von Microsoft versuchen. Auch andere Hersteller wie Motorola und HTC bringen demnächst neue Modelle heraus. Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android machen mehr als die Hälfte des Marktes aus. Apple kam zuletzt laut Marktforschern auf rund 17 Prozent. Zugleich ist es bei Smartphones deutlich schwieriger als im Geschäft mit einfachen Handys, die Nutzer zum Wechsel zwischen verschiedenen Plattformen zu bringen, allein schon weil sie Geld in Apps investieren.

Apple-Chef Cook betonte die Stärken wie die 17 Millionen abgesetzten iPad-Tablets im vergangenen Quartal. „Wir haben mehr iPads verkauft als jeder PC-Hersteller von seiner gesamten Modellpalette.“ Den Internet-Verkehr von Tablets aus dominiere das iPad mit 91 Prozent.

Die Apple-Aktie reagierte mit einem Plus von 0,7 Prozent kaum auf die Ankündigungen – nach dem vielen Berichten der vergangenen Wochen gab es keine großen Überraschungen. Mit 665 Dollar notierte die Aktie am Mittwoch knapp 20 Dollar unter ihrem Allzeithoch von Montag.