Neue Bescheidenheit

Weniger Rendite – weniger Stellen

Die Deutsche Bank vertreibt Ackermanns Geist: Die neuen Chefs verordnen dem Geldhaus einen radikalen Umbau

Nach 52 Minuten war das Kunststück perfekt. Die beiden neuen Chefs der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain, hatten sich die Zeit für die Präsentation der neuen Konzernstrategie „2015+“ auf die Minute genau aufgeteilt. Fitschen brauchte anfangs 20 Minuten, um die Grundlinien des Drei-Jahres-Plans zu zeichnen, Jain folgte 26 Minuten mit Details zu den einzelnen Geschäftsbereichen, bevor Fitschen am Ende das ganze in sechs Minuten noch einmal zusammenfasste. Auch bei der anschließenden Fragerunde waren beide Herren peinlich darauf bedacht, dass der andere nicht zu kurz kommt. Beide wissen genau, eine Doppelspitze funktioniert nur, wenn sie nach außen auch als solche wahrgenommen wird. Und sie muss funktionieren. Denn vor dem größten deutschen Geldhaus liegen ein radikaler Umbau und ein scharfer Sparkurs, die noch zu dem einen oder anderen Versuch führen werden, die beiden auseinanderzubringen.

Auch ein umstrittenes Thema gehen die Deutsch-Banker an: die Bonus-Regeln. Sonderzahlungen im zum Teil siebenstelligen Bereich kommen in der Öffentlichkeit nicht gut an, besonders dann, wenn die Empfänger nur auf kurzfristige Gewinne setzen und langfristig der Bank schaden. Die Deutsche Bank zieht daraus den Schluss, dass Boni für das Topmanagement erst nach einer längeren Wartezeit ausgezahlt werden, bei Aktien sind es künftig fünf statt drei Jahre. Macht die Bank in dieser Zeit Verluste oder verlässt der Mitarbeiter das Unternehmen, dann schrumpft auch der Bonus. Deshalb dürften die Sonderzahlungen künftig geringer ausfallen. Externe Fachleute sollen zudem die Vergütungspraxis überprüfen.

Neues Geschäftsmodell gesucht

„Wir wollen eine langfristig überzeugende Plattform schaffen“, sagte Fitschen und räumte ein, dass die Führungsmannschaft der Bank um ihn und Jain heute noch nicht weiß, wie die neue Normalität nach dem Ende der Finanzkrise aussiehen wird. So seien die nächsten Jahre bis 2015 nicht zuletzt von der Suche nach einem erfolgreichen Geschäftsmodell geprägt. Jain sprach angesichts der turbulenten Kapitalmärkte und schärferer Anforderungen der Regulatoren von einer „gewaltigen Herausforderung für die gesamte Finanzbranche.“ Dabei lobte ausgerechnet der gebürtige Inder den starken Heimatmarkt Deutschland, von dem aus der Konzern weiterhin als Universalbank mit den beiden großen Bereichen Privatkunden- und Kapitalmarktgeschäft erfolgreich sein wolle.

Beide ließen allerdings keinen Zweifel daran, dass die Suche nach einem neuen Geschäftsmodell schmerzhaft werden wird. Im Mittelpunkt steht ein umfassendes Sparprogramm. Bis 2015 will das Führungsduo jährlich 4,5 Milliarden Euro sparen. „Auch ein weiterer Stellenabbau geht damit einher“, sagte Fitschen. Noch wollte er aber keine genauen Zahlen nennen, dazu werde man zunächst mit dem Betriebsrat sprechen. Ende Juni hatte die Bank weltweit 100.654 Vollzeitkräfte. Bislang steht der Abbau von 1900 Stellen fest, wovon der Großteil auf das Investmentbanking entfällt. Effizientere IT-System, Zentralisierung des Einkaufs, Verkauf von Immobilien sind Schlagworte, die für solche Maßnahmen stehen.

Zu dem geplanten Umbau gehört auch die Auslagerung von Vermögenswerten, die künftig nicht mehr zum Kerngeschäft gehören sollen. Dafür schafft die Bank eine neue Geschäftseinheit mit dem Namen „Non-Core-Operations“, in die Bilanzrisiken mit einem Volumen von 135 Milliarden Euro geschoben werden sollen. Der Großteil entfällt auf verbriefte Wertpapiere, aber auch die seit langem zum Verkauf stehende BHF Bank gehört beispielsweise dazu. Von all diesen Vermögenswerten will sich die Bank in den nächsten Jahren trennen. Bis März 2013 soll das Volumen bereits um 45 Milliarden Euro abgenommen haben.

Erstmals nannte die neue Führung ihre Renditeziele: Bis 2015 will die Bank auf das eingesetzte Eigenkapital eine Rendite von mindestens zwölf Prozent nach Steuern erzielen. Das ist nur auf den ersten Blick weit entfernt von den 25 Prozent, die einst Vorgänger Josef Ackermann ausgerufen hatte. Denn Ackermanns Zahl bezog sich auf die Rendite vor Abzug der Steuern, die zwölf Prozent des Duos Fitschen/Jain entsprechen in dieser Rechnung knapp 20 Prozent. So ist zu verstehen, dass die Aktienmärkte Sparprogramm und Renditeerwartung begrüßten.

Bleibt das Bemühen der beiden Vorstandschefs, der Deutschen Bank ein positiveres Image zu geben. „Wir sehen keinen Widerspruch zwischen wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftlicher Akzeptanz“, sagte Fitschen. Dazu soll auch bei den umstrittenen Bonuszahlungen für das Topmanagement eingegriffen werden. Helfen soll dabei ein Expertengremium aus Wirtschaft und Wissenschaft, das schon bei der Jahresvergütung für 2012 mitreden soll.

Jain betonte, der Deutschen Bank sei es mit einem Kulturwandel ernst. Denn Deutschlands größtes Geldhaus ist aus den Zeiten vor der Finanzkrise noch mit Klagen verärgerter Kunden überzogen. Fitschen betonte, die Gehaltsexzesse, die im Investmentbanking falsche Anreize gesetzt hätten, sollten der Vergangenheit angehören. Wer das nicht verstehe, der müsse dann eben gehen.