Marktbericht

Chinesische Legende

Frank Stocker über eine unterschätzte Spekulationsblase

Es ist nur eine Zahl. Und für die meisten ist sie so unscheinbar, dass sie ihr keine weitere Beachtung schenken. Doch die jüngsten Daten, die das Pekinger Statistikamt am Montag veröffentlichte, haben es in sich. Sie räumen nämlich mit einem Mythos auf. Und sie haben das Zeug dazu, eine Blase an den Börsen zum Platzen zu bringen, die sich in den vergangenen Jahren gebildet hat. Im August gingen die chinesischen Importe um satte 2,6 Prozent zurück. Das widerspricht nicht nur allen Vorhersagen der Ökonomen. Diese hatten im Schnitt ein Plus von 3,5 Prozent erwartet. Es lässt auch tief blicken, wie es um Chinas Binnenkonjunktur steht. Denn die Importe geben einen Hinweis darauf, wie viel die Chinesen konsumieren. Der private Verbrauch wird seit Jahren von allen Seiten als die Zukunft Chinas gepriesen. Er soll die Exporte und die Infrastrukturausgaben als die bisher entscheidenden Wachstumsfaktoren ablösen. Doch die Chinesen wollen einfach nicht konsumieren. Stattdessen legt die Regierung nun wieder Programme auf, um Bau und Export anzukurbeln – quasi die Klassiker chinesischen Wirtschaftens. Das hat Auswirkungen auf Sparer hierzulande. Denn die Theorie vom anstehenden Konsumboom in China und anderen Schwellenländern hat dazu geführt, dass viele Bankberater entsprechende Aktien und Fonds verkauft haben. Als Folge davon sind diese Papiere horrend hoch bewertet, nicht nur in China. Es hat sich eine Blase bei Konsumgüteraktien aus Schwellenländern gebildet – und irgendwann wird sie platzen.