Armut

Jeder Fünfte arbeitet als Niedriglöhner

Vor allem Minijobber, Zeitarbeiter und Teilzeitkräfte verdienen weniger als 10,36 Euro je Stunde

Mitten in der politischen Debatte um Mindestlöhne und Altersarmut hat das Statistische Bundesamt neue Daten zum Niedriglohnsektor vorgelegt. Danach arbeitete 2010 jeder fünfte Beschäftigte (20,6 Prozent) in Deutschland zum Niedriglohn unter 10,36 Euro die Stunde. Jeder Vierte ist „atypisch“ mit einem befristeten Arbeitsvertrag oder als Minijobber, Zeitarbeiter sowie Teilzeitkraft beschäftigt. Vor vier Jahren lag der Anteil der Niedriglöhner an allen Beschäftigten erst bei 18,7 Prozent. Mit der Steigerung setze sich ein „langfristiger Trend“ fort, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler. Von den atypisch Beschäftigten erhielt jeder zweite (49,8 Prozent) einen Niedriglohn, bei Beschäftigten in einem Normalarbeitsverhältnis war es gerade einmal jeder Zehnte (10,8 Prozent). „Niedriglohn heute bedeutet niedrige Rente morgen“, warnte Egeler. Nur 6,2 Prozent der Niedriglöhner investierten in eine Betriebsrente, bei allen Beschäftigten sind es dagegen 22,2 Prozent. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) plant eine Zuschussrente von 850 Euro für Geringverdiener, damit diese im Alter nicht auf Sozialhilfe angewiesen sind.

Opposition und Gewerkschaften sahen sich nach den neuesten Zahl des Bundesamtes in ihre Forderung nach einen Mindestlohn bestätigt. „Der Niedriglohnsektor wächst, Grund dafür ist die prekäre Beschäftigung“, sagte die grüne Arbeitsmarktpolitikerin Brigitte Pothmer. Nötig sei ein flächendeckender Mindestlohn. Befristungen und Leiharbeit müssten eingedämmt werden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte die Regierungskoalition auf, „die Blockaden gegen einen flächendeckenden Mindestlohn, die Regulierung der Leiharbeit sowie eine Reform der Minijobs aufzugeben.“ Auch die Gewerkschaft Ver.di forderte erneut einen Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde.

Höchster Anteil bei Taxifahrern

Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes hängen niedrige Löhne auch mit der Tarifbindung der jeweiligen Branche zusammen. Bei nicht tarifgebundenen Arbeitgebern erhielt fast ein Drittel der Beschäftigten einen Niedriglohn (31 Prozent). Bei tarifgebundenen Arbeitgebern waren es mit 11,9 Prozent deutlich weniger. Als Niedriglohn definieren die Statistiker einen Lohn, der mehr als zwei Drittel unter dem mittleren Verdienst aller Beschäftigten liegt. Besonders hoch war 2010 der Anteil von Beschäftigten mit Niedriglohn bei Taxifahrern (87 Prozent), Friseuren ( 85,6 Prozent), im Reinigungsgewerbe (81,5 Prozent) und in Restaurants, Cafes und Gaststätten (77,3 Prozent).

Ein Grund für den Anstieg des Anteils der Niedriglohnbezieher, aber sicher nicht der einzige, sei die Zunahme der atypischen Beschäftigung, erklärte Egeler. Der Stundenlohn der atypische Beschäftigten liege rund 40 Prozent unter dem der Normalarbeitnehmer, die auf 17,09 Euro kommen. Innerhalb der Gruppe der „atypisch Beschäftigten“ gibt es allerdings deutliche Unterschiede. So verdienen Teilzeitbeschäftigte, sie stellen mit 4,9 Millionen die größte Gruppe unter den atypisch Beschäftigten von knapp 7,8 Millionen, 14,45 Euro brutto die Stunde. Die 2,8 Millionen befristete Beschäftigten kommen auf 12,06 Euro. Deutlich darunter liegen Zeitarbeiter mit 8,91 Euro und geringfügig Beschäftigte mit 8,19 Euro. Der angegebene Anteil der Niedriglöhner an allen Beschäftigten von 20,6 Prozent sei wohl tatsächlich höher, erklärten die Statistiker. Kleinbetriebe mit weniger als zehn Beschäftigten wurden in der nicht berücksichtigt.