Streik

Da lachen ja die Flugbegleiter

Rund 350 Lufthansa-Flüge gestrichen. Bundesweiter Streik für Freitag angekündigt

Umplanen - das ist das Motto am Dienstagmorgen in Tegel. Das gilt auf dem Flughafen für Dienstreisen, Familienbesuche und Urlaube. Mit Beginn des Frühbetriebes um 5 Uhr haben die in der Gewerkschaft Ufo organisierten Flugbegleiter der Lufthansa ihre Arbeit niedergelegt. Flüge vor allem nach Frankfurt/Main, wo seit 6 Uhr auch gestreikt wird, fallen aus.

Vor dem Lufthansa-Serviceschalter in Tegel bildet sich eine lange Schlange. Wer wissen will, wie es weitergeht, muss rund eine Stunde warten. Die 27-jährige Berlinerin Cathleen Grucza, die über Frankfurt nach Mexiko fliegen wollte, zeigte trotzdem Verständnis für den Streik. Die Gehälter müssten angepasst werden. Man habe ja früh genug reagieren können, weil man sich einstellen konnte.

Leihpersonal in Tegel

Doch das klappt nicht immer. Selbst in Tegel nicht, obwohl hier die Lufthansa seit einigen Wochen Leihstewardessen beschäftigt, die nicht am Streik teilnehmen dürfen. Reiner Päpke war sich bis vor wenigen Minuten sicher, dass seine Maschine Richtung Köln-Bonn abheben würde. Doch kurz nach dem Sicherheitscheck schickte das Schalterpersonal ihn zurück vor das Terminal: "Meine Tasche ist schon eingecheckt, deshalb kann ich nicht mit der Bahn fahren. Soll ich jetzt hier warten, bis der Streik vorbei ist?", fragt Päpke fassungslos. Letzte Nacht habe er noch einige Male überprüft, ob sein Flug gestrichen wird, aber das man ihn fünf Minuten vor Start abserviert, hätte er nie vermutet.

Die Lufthansa hat wegen des Streiks 11.000 SMS an betroffene Passagiere geschickt. Insgesamt sind an den drei Flughäfen in Tegel, Frankfurt am Main und München zusammen rund 350 der geplanten 1800 Flüge der Lufthansa ausgefallen, teilte die Fluggesellschaft mit. Rund 42.000 Fluggäste sind betroffen.

In Tegel fielen 20 von 70 Flügen der Lufthansa aus. In Frankfurt waren es 217, darunter 16 Langstreckenflüge, von 370 Verbindungen. Am Freitag, als nur in Frankfurt gestreikt wurde, hatte die Lufthansa 190 Flüge gestrichen, darunter sechs Interkontinentalflüge. In München habe man drei Viertel der 450 planmäßigen Flüge in die Luft bekommen, erklärte ein Sprecher am Abend. Auch am Mittwoch würden noch einzelne Flüge ausfallen, bevor sich der Flugverkehr wieder ganz normalisiert habe, fügte der Sprecher hinzu.

Ufo-Chef Nicoley Baublies kündigte zudem eine flächendeckende Ausweitung des Arbeitskampfes an. Am Freitag würden die Flugbegleiter bundesweit von 0 bis 24 Uhr in den Ausstand treten, erklärte die Gewerkschaft am Abend. Es liege nun an der Lufthansa, ihre "Null-Kommunikation" gegenüber seiner Organisation einzustellen. "Die Lufthansa ist jetzt wirklich gefragt, um das abzuwenden", sagte Baublies am Rande einer Kundgebung am Münchner Flughafen. Einzige Möglichkeit aus seiner Sicht: Ein unparteiischer Vermittler solle den Streit schlichten. Die Lufthansa lehnt den Vorschlag - wie schon an den Vortagen - ab.

Lufthansa-Sprecher Klaus Walther sagte im ZDF: "Wir haben 3,5 Prozent angeboten." Zudem wolle man auf Leiharbeit verzichten sowie auf betriebsbedingte Kündigungen. "Wir finden, darüber kann man verhandeln", sagte Walther. Die Bahn rechnete wegen des Streiks mit einigen Tausend zusätzlichen Reisenden und stellte zusätzliche Züge in en betroffenen Städten bereit.

Vor den Anzeigentafeln im Frankfurter Terminal 1 bilden sich im Laufe des Tages immer wieder Menschentrauben. Ratlose Gesichter bei einigen Passagieren. Vor der Lufthansa-Basis stehen am Tor 21 stehen gleichzeitig Hunderte Flugbegleiter in gelben Warnwesten. Sie halten Schilder hoch auf denen steht: "Wo Lufthansa drauf steht, muss auch Lufthansa drin sein" oder "Altersarmut ist ein Produkt von Lufthansa." Die Streikenden haben Angst um ihre Jobs. Purser Stefan Schwerthelm sagt: "Vor zwölf Jahren habe ich die Schließung einer deutschen Charter-Airline erlebt." Seitdem arbeitet er für Lufthansa. "Ich will nicht ein ähnliches Abdriften der Lufthansa zu einer Billig-Airline erleben."

Am Nachmittag schwappt der Streik dann schließlich nach München ins zweite große Drehkreuz der Bundesrepublik. Die bestreikten Flugzeuge bleiben auf dem Vorfeld stehen. Matthias Gruber aus Salzburg und Freund Fred wollen nach Los Angeles. Am Montagabend sind sie extra von Salzburg mit dem Auto nach München gefahren: "Wir wollten unbedingt einen Direktflug", sagt Matthias. "Deshalb haben wir Lufthansa gebucht. Und jetzt stehen wir da." Die beiden Salzburger Jungs sind entsprechend sauer über den Arbeitskampf: "Gestern Abend hat's noch geheißen, in München wird nicht gestreikt." Jetzt ist alles anders. Sie stehen in der Schlange am Check in, warten auf Informationen, ob und wann es für sie weiter geht. Das, sagt Fred, haben sie sich anders vorgestellt.

Die Gewerkschaft Ufo hat die von ihrem Streik betroffenen Lufthansa-Fluggäste heute in einem Offenen Brief um Verständnis für die Maßnahmen gebeten. Dass der Ausstand sie hart treffe, "tut uns außerordentlich leid". Am Freitag geht die Geduldsprobe nun für die Passagiere in die nächste Runde.