Marktbericht

Vor dem Absturz

Martin Greive über die Wettbewerbsfähigkeit der USA

Deutschland ist wettbewerbsfähiger als die USA - vor ein paar Jahren hätte man für diesen Satz Gelächter geerntet. Nun ist Deutschland dem World Economic Forum zufolge an der Wirtschafts-Supermacht vorbeigezogen. Platz sechs hinter Schweiz, Singapur, Finnland, Schweden und den Niederlanden.

Das Ergebnis sagt weniger über die Stärke der deutschen Wirtschaft aus, als über die Schwäche der US-Wirtschaft. Für die Politiker der USA ist die Studie eine schallende Ohrfeige. Statt Wachstumskräfte zu entfesseln, schaffen beide politischen Lager mit ihren Grabenkämpfen bedrohlichen Stillstand. Die Wirtschaft steht auf der sogenannten Haushaltsklippe: Ende des Jahres laufen Steuererleichterungen aus, drastische Sparmaßnahmen greifen dann automatisch. Die US-Wirtschaft droht von dieser Klippe zu fallen und in eine Rezession zu stürzen. Das wollen beide Parteien vermeiden.

Doch statt einen Kompromiss zu schmieden, streiten sich Demokraten und Republikaner um die Reichen-Besteuerung. Die Gelackmeierten sind die Firmen, die nicht wissen, was auf sie zukommt. Auch für 2013 gibt es wenig Hoffnung. Wenn beide Lager ein ernsthaftes Interesse am Wohl Amerikas haben, müssen sie nach der Wahl einen Kompromiss finden. Spielraum gibt es: Das Steuersystem muss vereinfacht, Ausgaben gekürzt werden, detaillierte Sparvorschläge liegen vor. Raufen sich beide Lager nicht endlich zusammen, wird sich die Talfahrt Amerikas fortsetzen.