Immobilien

Untreue-Verdacht gegen Jagdfeld

Landgericht Aachen erhebt Anklage: Chef des Adlon-Fonds soll Zusagen nicht eingehalten haben

- Die Staatsanwaltschaft Köln hat gegen den Unternehmer Anno August Jagdfeld beim Landgericht Aachen Anklage wegen des Verdachts der Untreue erhoben. Die Vorwürfe gründen sich auf Beschlüsse der Gesellschafter eines geschlossenen Immobilienfonds der Fundus-Gruppe, dem das Luxushotel Adlon am Brandenburger Tor gehört. Der 65jährige Jagdfeld ist Gründer und Geschäftsführer des Adlon-Fonds.

Seit Jahren gibt es unter den Anlegern heftige Kritik an Jagdfeld, er habe Zusagen aus den Prospekten nicht eingehalten und die versprochenen Ausschüttungen nicht gewährt. Ein Antrag, Jagdfeld wegen dieser Vorwürfe 2011 als Komplementär und Geschäftsführer des Fonds abzuwählen, war allerdings gescheitert. Jagdfelds Sprecher verweist jedoch darauf, die Gesellschafterbeschlüsse innerhalb der Fonds seien immer mit übergroßer Mehrheit getroffen worden. Unter den 4400 Anlegern, die nach Angaben der Fundus-Fondsverwaltung GmbH an dem Adlon-Fonds beteiligt sind, hätten zwei unzufriedene Anleger Anzeigen wegen Untreue erstattet.

Holding in Bedrängnis

Hintergrund der Auseinandersetzung: Seit Herbst 2008 fordert Jagdfeld von seinen Gesellschaftern den Verzicht auf die Zahlungen der Adlon Holding, dem zweiten Pächter neben Kempinski. Die Holding betreibt Restaurants, Bars, eine Weinhandlung und das Luxusbad im Adlon. Sie war finanziell in Bedrängnis geraten. Jagdfeld nannte schon früher "die Wirtschaftskrise und einige Sonderfaktoren" als Grund dafür. Anfang 2009 hatten sich die Gesellschafter zusammengetan, um gegen Jagdfeld Front zu machen. Dieser führt die Geschäfte seit Gründung des Fonds im Jahr 1994. Zwischenzeitlich zählte die Vereinigung der Rebellen rund 220 Geldgeber.

Der Unternehmer selbst sagte, er sehe dem Verfahren "gelassen" entgegen: "Die Vorwürfe sind vollkommen unzutreffend, was das weitere Verfahren zeigen wird", so Jagdfeld. Er beklagte, die Staatsanwaltschaft Köln habe jetzt Anklage erhoben, ohne ihn persönlich zu den Vorwürfen zu hören, auch sein Verteidiger habe nicht die Gelegenheit gehabt, zu den Ermittlungsergebnissen Stellung zu nehmen. Die Staatsanwaltschaft war am Dienstagabend nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen. Jagdfeld war der Initiator des Wiederaufbaus des im Krieg zerstörten Hotels Adlon. 1997 wurde das luxuriöse Haus eröffnet.

Anno August Jagdfeld war in den vergangenen Monaten und Jahren wiederholt in die Schlagzeilen geraten. Sein Imperium aus Luxusimmobilien bröckelt. So stürzte das von ihm wie das Adlon entwickelte und als Gastgeber für den G 8-Gipfel bekannte Grand Hotel in Heiligendamm an der Ostsee ebenso in die Pleite wie das von ihm geplante Projekt für ein neues Stadtquartier auf dem Grundstück neben dem am Dienstag geräumten Kunsthauses Tacheles an der Oranienburger Straße in Berlin Mitte. Schon heißt es in der Immobilienszene, Jagdfeld müsse sein Privatvermögen angreifen, um weiter liquide zu bleiben.

Zu den Immobilien im Bestand der Fundus-Gruppe, die von ihm entwickelt wurden, gehören aber neben Heiligendamm, Adlon und weiteren Hotels wie das Mercure City Ost in Berlin auch Objekte wie das Rathauscenter in Pankow, die Spreebogen Plaza oder das Hochhaus "Pyramide" in Lichtenberg.