Job

Kaum ein Fünftel der Mitarbeiterinnen von Schlecker vermittelt

Der nächste herbe Rückschlag bei der Schlecker-Insolvenz.

- Die Vermittlung der 20.000 früheren Mitarbeiter der Drogeriekette in neue Jobs läuft so schleppend, dass der Insolvenzverwalter jetzt eine Art Insolvenz in der Insolvenz anmelden muss. Verwalter Arndt Geiwitz, nach dessen Angaben bisher nicht einmal jede fünfte ehemalige Schlecker-Beschäftigte eine neue Stelle gefunden hat, meldete jetzt die "Masseunzulänglichkeit" an: Im verbliebenen Finanztopf von Schlecker - der "Masse" - ist viel zu wenig Geld.

Leidtragende ist vor allem die Arbeitsagentur, die die Mitarbeiter bisher bezahlt. Sie dürfte auf Forderungen in dreistelliger Millionenhöhe sitzen bleiben. Die Arbeitsagentur nämlich überweist den seit Ende März in mehreren Schritten freigestellten Schlecker-Mitarbeiterinnen 60 bis 68 Prozent ihres letzten Lohnes - als eine Art Vorauszahlung auf das zu erwartende Arbeitslosengeld. Experten hatten erwartet, dass die Mitarbeiterinnen schnell neue Jobs bekommen - die Arbeitsagentur müsste in diesem Fall nicht mehr zahlen. Das ausgezahlte Geld bekommt die Agentur in solchen Fällen üblicherweise aus der Masse des Unternehmens zurück - allerdings nur in der Theorie. Deshalb sei er nach dem Insolvenzrecht gezwungen, "diesen Schritt zum Schutz der Masse zu gehen", sagte Geiwitz. Das bedeutet: Er schließt seine Masse-Kasse ab, niemand kommt mehr dran - auch nicht die Arbeitsagentur. Die hatte als "Altmassegläubiger" bisher noch ein Sonderrecht, um an Geld zu kommen.

Gibt das Amtsgericht dem Antrag auf Masseunzulänglichkeit statt, wird die Arbeitsagentur auf ihren Forderungen sitzen bleiben. Der Verwalter erklärte, es sei mit "Masseverbindlichkeiten in dreistelliger Millionenhöhe" zu rechnen gewesen, derer er sich jetzt entledigen will.

Die Agenturen können ihre bezahlten Millionen dann nur noch wie jeder andere Gläubiger beim Verwalter als normale Forderung anmelden. Auf der Liste stehen indes Forderungen im Wert von mehr als einer Milliarde Euro. Dass die Insolvenzopfer mehr als ein paar Prozent ihres Geldes zurückbekommen, ist unwahrscheinlich. Sollte Geiwitz noch Teile der Firma verkaufen, kämen immerhin die Erlöse diesen Gläubigern zusätzlich zugute.