Marktbericht

Schäubles Tempolimit

Björn Hartmann über Grenzen für Hochfrequenzhändler

An der Börse lebt ein ganzer Handelszweig davon, große Datenmengen blitzartig auszuwerten und in Geld umzuwandeln: Die sogenannten Hochfrequenzhändler nutzen kleine Kursdifferenzen und, um in extrem kurzer Zeit große Gewinne einzufahren. Oder sie gefährden sogar ganze Börsen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will da jetzt eingreifen. Der Handel soll nicht verboten, aber mit einem Tempolimit versehen werden.

Die Computer bestimmen binnen Milliardstelsekunden, ob sie bestimmte Aktien kaufen oder verkaufen. Sie vergleichen die Kurse an unterschiedlichen Handelsplätzen und nutzen dann minimale Preisunterschiede aus - automatisch. Idealerweise sind die Kabel zwischen Händlerrechnern und Börsenbetreiber kurz. Der normale Privatanleger bleibt außen vor. Zudem sollen die Hochfrequenzhändler Blitzcrashs an den Börsen mit ihren Auftragsvolumen verstärken. Und dann ist da der Verdacht, sie spähten die Auftragsbücher der Börsenbetreiber aus und suchten nach versteckten, großen Orders, denen sie dann zuvorkämen, um vom Kursgewinn zu profitieren.

Und wie sieht ein solches Tempolimit aus? Schäuble geht nicht an die schnellen Rechner, sondern an den Handelsweg. Alle Geschäfte dürfen dann nicht mehr direkt, sondern nur noch über eine zentrale Clearinmgstelle abgewickelt werden. Theoretisch ist dann klar, mit welchen Preisen und Strategien die Hochfrequenzhändler arbeiten. Hoffentlich behält jemand den Überblick.