Ratgeber

Was tun, wenn gestreikt wird?

Die Flugbegleiter der Lufthansa wollen von diesem Mittwoch an in den Ausstand treten. Was betroffene Passagiere jetzt wissen müssen

- Nach der Streikankündigung der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo müssen sich viele Reisende zum Ende der Ferienzeit in einigen Bundesländern auf Flugausfälle einstellen. Der Streik soll an diesem Mittwoch beginnen und am Donnerstag auf ganz Deutschland ausgeweitet werden. Die Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was droht dem Fluggast bei einem Streik der Flugbegleiter?

Dem Verbraucher könnte vor allem eine Verspätungswelle drohen. Nicht nur der Lufthansa-Passagier könnte stundenlang am Flughafen festsitzen. Auch Fluggäste anderer Gesellschaften könnten betroffen sein, sollte der Streik länger dauern. Flieger könnten später abfliegen oder landen, Anschlussflüge könnten verpasst werden, und Zubringerflüge könnten verspätet ankommen. Das betrifft dann Fluggäste aller Fluggesellschaften.

Welche Rechte haben die Fluggäste?

Wer am Flughafen festsitzt - egal ob in Berlin, in der EU oder auf einem Flug mit einer EU-Gesellschaft aus einem anderen Land in die EU -, hat Ansprüche, die in der Rechte-Verordnung geregelt sind. Wer mehrere Stunden auf seinen Flieger warten muss, hat Anrecht auf Betreuung - einschließlich Verpflegung durch die Fluggesellschaft. Dieser Betreuungsanspruch tritt nach zwei Stunden Verspätung bei Kurzstreckenflügen in Kraft, ab drei Stunden Verspätung auf einem Flug der Mittelstrecke und ab vier Stunden Verspätung auf Langstreckenflügen. In Absprache mit der Gesellschaft können Passagiere möglicherweise auch auf den Zug umsteigen.

Muss die Fluggesellschaft eine Unterkunft zahlen?

Können Passagiere erst am kommenden Tag oder noch später weiterfliegen, müssen sich die Fluggesellschaften um eine Übernachtungsmöglichkeit kümmern. Dabei reicht eine Pritsche im Terminal in der Regel nicht aus. Es muss aber auch kein Fünf-Sterne-Haus sein. Lediglich in Ausnahmesituationen müssten Fluggäste mit einem Feldbett vorliebnehmen. Dies war zum Beispiel nach den Flugannullierungen im Jahr 2010 wegen der Aschewolke des Vulkans Eyjafjallajökull in Island der Fall, als an manchen Flughäfen alle Hotelbetten belegt waren.

Müssen Fluggäste für die Betreuungskosten zuerst selbst aufkommen?

Die Verordnung sieht vor, dass die Betreuung kostenlos bereitgestellt wird. Das klappt aber oft nicht. Sollte die Airline trotz Nachfrage keine Betreuung bereitstellen können, muss sich der Fluggast selbst um Verpflegung und möglicherweise ein Hotelzimmer kümmern, alle Belege aufbewahren und die Kosten anschließend der Fluggesellschaft in Rechnung stellen. Diese Kosten sind verschuldensunabhängig. Die Airline muss dem Fluggast also helfen, egal ob die Verspätung durch eine Aschewolke, einen Sturm oder eben einen Streik der Flugbegleiter entstanden ist.

Können Fluggäste aufgrund einer Verspätung Flüge stornieren?

Wenn der Flieger mehr als fünf Stunden verspätet ist, kann der Passagier den Flug stornieren und sein Geld zurück erhalten - ohne Bearbeitungs- und Stornogebühren. Ein Pauschaltourist muss etwas mehr Geduld aufbringen: Er muss länger warten, hat zwar Anspruch auf dieselben Betreuungsleistungen aufgrund der EU-Fluggastrechte-Verordnung wie ein Individualtourist, kann aber nicht kostenfrei vom Reisevertrag zurücktreten. Den Reisepreis mindern kann er aber. Findet der Flug gar nicht statt oder nur mit ganz erheblicher Verspätung, kann er den Reisevertrag wegen Mängeln kündigen.

Habe ich im Streikfall Anspruch auf eine Entschädigung?

Fallen bei einem Streik von Flugbegleitern Flüge aus oder verspäten sie sich, haben Passagiere keinen Anspruch auf eine Entschädigung. Das besagt ein entsprechendes Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) aus der vergangenen Woche zu Pilotenstreiks. Demnach steht Passagieren bei solchen Streiks kein finanzieller Ausgleich gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung zu. Dies gelte auch bei einem Ausstand von Flugbegleitern, wie er nun bei der Lufthansa angekündigt wurde.

Habe ich Anspruch auf eine Ersatzbeförderung?

Ja. Die Fluggesellschaft ist nach Angaben von Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg verpflichtet, Fluggäste bei einem Streik so schnell wie möglich auf einem anderen Weg an ihr Ziel zu bringen. Passagieren steht daher eine kostenlose Umbuchung etwa auf einen späteren Flug oder auf Partner-Airlines zu. Oder sie werden ersatzweise per Bahn oder Bus transportiert.

Kann ich von meiner Reise zurücktreten?

Startet der Flieger mit einer Verspätung von mehr als fünf Stunden, oder wird der Flug komplett gestrichen, kann der Passagier entscheiden, ob er die Reise noch antritt. Tut er es nicht, muss die Fluggesellschaft dem ADAC zufolge den Kaufpreis erstatten, wenn der Fluggast nur ein Ticket gekauft hatte. Anders sieht es bei Pauschalurlaubern aus. Sie haben bei kürzeren Streiks kein Recht, von der Reise zurückzutreten. Dieses steht ihnen nur bei länger dauernden Ausständen zu. Dabei ist dem Verkehrsclub zufolge das Verhältnis zwischen Abflugverzögerung und Dauer des Urlaubs entscheidend.

Wie steht es mit Essen und Getränken?

Müssen Passagiere am Flughafen länger warten, stehen ihnen Essen und Getränke zu. In der Regel verteilen die Fluggesellschaften Gutscheine. Keine genauen Vorschriften gibt es laut der Verbraucherschützerin dazu, wie hoch der Betrag sein muss. In der EU-Verordnung heißt es nur, dass Mahlzeiten und Erfrischungen in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit stehen müssen. Bei einer Verspätung von drei Stunden reicht laut Fischer-Volk ein Gutschein über zehn Euro pro Person.

Darf ich auf Kosten der Airline telefonieren?

Ja. Gestrandete Passagiere haben Anspruch darauf, auf Kosten der Airline zu telefonieren sowie Faxe oder E-Mails zu versenden. Die Anzahl ist genau geregelt: Laut EU-Verordnung sind es zwei Telefonate, zwei Faxe oder zwei E-Mails.