Gesundheit

Weniger Honorar: Ärzte drohen mit Streik und Praxisschließungen

Dass Ärzte streiken, ist nichts Ungewöhnliches. Angestellte Mediziner in Krankenhäusern machen regelmäßig darauf aufmerksam, dass sie mehr Geld bekommen wollen.

- Streiks von niedergelassenen Ärzten sind dagegen selten. Den letzten großen Protest gab es vor sechs Jahren.

Nun aber ist die Empörung groß. Die Krankenkassen verlangen nicht nur eine Nullrunde, sondern eine Kürzung des Ärztehonorars. Jeder niedergelassene Mediziner soll auf rund 20.000 Euro Einnahmen verzichten. Insgesamt wollen die Kassen 2,2 Milliarden Euro sparen. Sie selbst sitzen zurzeit auf Geldreserven von weit mehr als 20 Milliarden Euro.

Entsprechend fassungslos sind die Ärzte und ihre Verbandsvertreter. Diese "unverschämte Forderung" gefährde den sozialen Frieden, erklärte der Hartmannbund. "Die niedergelassenen Ärzte sind protestbereit", verkündete der NAV-Virchow-Bund, der schon eine "Koordinierungsstelle für den Ärzteprotest" eingerichtet hat. "Ziel ist es, die anstehenden Protestmaßnahmen und Praxisschließungen zu koordinieren und diese Maßnahmen als Signal an Krankenkassen und Politik auszusenden", sagte Hauptgeschäftsführer Klaus Greppmeir der "Berliner Morgenpost". Ein "Honorarklau", wie ihn die Kassen vorhätten, sei mit den niedergelassenen Ärzten nicht zu machen. Man bereite einen Protesttag in Berlin vor.

Offiziell streiken können Ärzte nicht, aber sie können ihre Praxis schließen. Mindestens 20 Stunden pro Woche müssen sie für ihre Patienten da sein. Den Rest der Zeit können sie protestieren. Und derzeit läuft alles auf eine Konfrontation hinaus. Am kommenden Samstag findet in Berlin eine so genannte Sondervertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) statt, der Spitzenorganisation der Kassenärzte und Verhandlungspartner der Kassen. Zum Streik aufrufen kann KBV-Chef Andreas Köhler zwar nicht, aber er wird deutliche Worte finden.