Gesundheitswesen

Das Geschäft mit den Kranken

Deutschlands Kliniken behandeln mehr Patienten in kürzerer Zeit. Das lässt die Einnahmen steigen

- In den deutschen Krankenhäusern werden immer mehr Patienten in immer kürzerer Zeit behandelt - und das immer häufiger in privaten Kliniken. Die vorläufige Krankenhausstatistik für 2011 des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden zeigt auch, dass im Krankenhaus immer mehr Menschen Arbeit finden.

18,3 Millionen Patienten wurden im vergangenen Jahr in den 2041 Krankenhäusern stationär in Deutschlands Krankenhäusern behandelt - 300.000 Fälle mehr als 2010. Im Durchschnitt blieb ein Kranker 7,7 Tage in der Klinik - 2010 waren es 7,9 Tage.

Die Zahlen spiegeln die schwierige Lage der Krankenhäuser: In Folge der demografischen Entwicklung wird die Gruppe der Älteren und somit potenziell Behandlungsbedürftigeren immer größer. Zeitgleich müssen die Krankenhäuser angesichts des Sparzwangs im Gesundheitssystem immer mehr rationalisieren.. Weil die Kosten für stationäre Behandlungen im Vergleich immens sind, werden - auch auf Druck der Krankenkassen - immer mehr Eingriffe ambulant durchgeführt und die Klinikaufenthalte so kurz wie möglich gehalten.

Was aus ökonomischer Sicht nachvollziehbar ist, muss der Genesung jedoch nicht immer zu Gute kommen. .Bei kleineren Operationen ist es zwar sicher sinnvoll, wenn die Patienten schneller nach Hause kommen", sagt Anke Kirchner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Bedenklich werde dies aber, wenn es zu Lasten der Kranken gehe. Gerade bei älteren Leuten, die zu Hause auf sich allein gestellt seien, könne eine zu frühe Entlassung Probleme nach sich ziehen.

Die Deutsche Hospiz Stiftung meldete, die Statistik dürfe nicht so interpretiert werden, dass immer mehr Patienten in den Krankenhäusern behandelt würden. "Es sind nicht mehr Patienten, sondern immer mehr Behandlungen pro Patient", sagte der Geschäftsführende Vorstand Eugen Brysch. Besonders bei Schwerstkranken und Pflegebedürftigen nähmen "die Drehtüreffekte in den letzten zwei Lebensjahren" exorbitant zu. "Zwischen Pflegeheim, Krankenhaus und daheim werden die Patienten bis zu fünf Mal hin und her geschoben." Mit der Einführung der Fallpauschalen hätten sich die Krankenhäuser darauf eingestellt, "mit ein und demselben Patienten gutes Geld zu verdienen".

Obwohl Deutschland mit derzeit 2041 Kliniken als überversorgt gilt, hat sich die Bettenzahl gegenüber dem Vorjahr kaum verändert und liegt bei 502.000. Zwar steht noch immer annähernd jedes zweite Bett in einem öffentlichen Krankenhaus, doch die zunehmende Privatisierung des Klinikmarkts hinterlässt immer deutlichere Spuren. De facto nimmt der Anteil der Betten in privaten Häusern jedoch stetig zu und erreichte 2011 bereits einen Wert von 17 Prozent. Der Anteil von Kliniken freier, gemeinnütziger Träger lag bei 34 Prozent.

Grund für die Privatisierungswelle ist allem voran, dass vielen Kommunen und Ländern inzwischen das Geld fehlt, um ihre Krankenhäuser zu modernisieren. Davon profitieren große private Klinikketten wie die Berliner Helios, die teils marode öffentliche Häuser aufkaufen, um diese zu sanieren. Bei den Vorsorge- und Rehabilitationsanbietern spielen die privaten Träger schon heute die größte Rolle: Auf sie entfallen zwei Drittel aller Betten.

Während sich 2011 in Reha-Stationen rund 8000 Vollzeitärzte und 84.000 Vollkräfte im nichtärztlichen Dienst um die Patienten kümmerten, waren es in den Krankenhäusern 839.000 Vollzeitkräfte. Davon zählten knapp 139.000 zum ärztlichen und 701.000 zum nichtärztlichen Dienst, jeweils 2,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.