Ausbildung

Berlins Industrie gehen qualifizierte Schüler aus

Die Metall- und Elektroindustrie der Hauptstadtregion hadert mit den Schulabgängern.

- Mangelnde Ausbildungsreife sei ein wesentlicher Grund, warum es immer schwieriger werde, freie Plätze für Azubis in den Betrieben zu besetzen, sagte Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer des Berlin-Brandenburger Branchenverbands VME. Ein großes Problem seien vor allem die vielen Schulabrecher. Aktuell hätten 4100 Jugendliche in Berlin und Brandenburg die Schule ohne Abschluss verlassen.

In diesem Jahr sei es noch gelungen, die Plätze zu besetzen, sagte Amsinck. "Ob das im nächsten Jahr wieder gelingt, ist nicht sicher." Amsinck zufolge hat die Metall- und Elektroindustrie in der Region die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze in diesem Jahr um elf Prozent im Vergleich zu 2011 erhöht. Ein Grund dafür: Durch den doppelten Abiturjahrgang in Berlin kommen rund 7000 mehr Jugendliche aus der Schule.

Insgesamt klafft in Berlin eine Lücke zwischen Lehrstellenangebot und Suchenden. Im Juli registrierte die Bundesagentur für Arbeit für die Hauptstadt 7608 sogenannte unversorgte Bewerber. Gleichzeitig waren über alle Branchen 4826 nicht besetzte Lehrstellen gemeldet. Für Lehrstellen in der Industrie gab es 1658 Bewerber und 848 unbesetzte Stellen. Diese Zahlen besitzen laut VME aber nur eingeschränkte Aussagekraft. "Gerade im September tut sich noch sehr viel", sagt Bildungsexperte Klaus-Dieter Teufel, stellvertretender VME-Geschäftsführer. Diese Erfahrung hat auch die Bundesagentur für Arbeit gemacht.

Amsinck zufolge sind die Ansprüche in der Metall- und Elektroindustrie zu hoch, als das man in großem Stil schlechte Schulabsolventen einstellen könnte. "Die Politik sagt immer: 'Ihr müsst mit denen auskommen, die da sind.' Wir können aber unsere Anforderungen nicht unbegrenzt herabsetzen."

Wolfgang Weber, Personalchef des Unternehmens G-Elit Präzisionswerkzeug, hat in seinem Betrieb ernüchternde Erfahrungen gemacht. Für die Ausbildung zum Kran- und Anlagenführer wurden gezielt Absolventen der Hauptschule gesucht. "Von 70 Bewerbern taugten 50 nicht. Zehn sind dann nicht zum Bewerbungsgespräch erschienen", sagte Weber.